Mittwoch, 5. August 2026

215 Ärzte schlagen Alarm: Offener Brief gegen neue Krankenhaus-Software

215 Ärzte aus den Gesundheitsbezirken Bruneck und Brixen haben sich mit einem offenen Brief an Gesundheitslandesrat Hubert Messner, Landeshauptmann Arno Kompatscher und den Generaldirektor des Südtiroler Sanitätsbetriebs, Christian Kofler, gewandt. Darin üben sie deutliche Kritik an der Einführung des neuen Krankenhaus-Informationssystems NGH und warnen vor negativen Folgen für den Klinikalltag und die Patientenversorgung.

215 Ärzte schlagen in einem offenen Brief Alarm. - Foto: © Shutterstock / shutterstock

Der offene Brief wurde von einer Initiativgruppe verfasst und von der Gewerkschaft BSK-VSK veröffentlicht. Nach Angaben der Gewerkschaft, die einen Großteil der Unterzeichner vertritt, spielten auch disziplinarrechtliche Bedenken eine Rolle bei der Entscheidung, den Brief über die Gewerkschaft zu veröffentlichen.

„Nicht jede Digitalisierung bedeutet Fortschritt“, schreiben die Ärzte. Wenn ein System „mehr Zeit, mehr Arbeitsschritte und mehr technische Unterstützung erfordert und dabei die klinische Effizienz verringert“, sei das „kein Fortschritt, sondern ein organisatorischer Rückschritt“.

„Das ist Fragmentierung der Arbeit“

Als Beispiel nennen sie die Planung eines Eingriffs. Während dieser Vorgang früher in einem einzigen Arbeitsablauf erledigt werden konnte, seien heute drei verschiedene Programme nötig. Das bedeute „drei getrennte Zugänge, drei unterschiedliche Oberflächen, die wiederholte Eingabe derselben Daten, mehr Zeitverlust am Patienten und mehr Fehlermöglichkeiten“.

Ihr Fazit: „Das ist kein Fortschritt. Das ist Fragmentierung der Arbeit.“ Die Probleme beträfen nicht nur einzelne Abteilung en, sondern nahezu alle Fachbereiche. Für Krankmeldungen, diagnostische Verschreibungen, physiotherapeutische Behandlungen oder die Einsicht in frühere Befunde müssten unterschiedliche Programme verwendet werden. Dadurch gehe wertvolle Zeit verloren. „Im Krankenhaus ist Zeit kein verwaltungstechnisches Detail. Sie ist klinische Zeit: Zeit zum Untersuchen, Entscheiden, Erklären und Behandeln“, heißt es im Schreiben.

Kritik üben die Unterzeichner auch an der Einführung des Systems. Dieses sei in Betrieb genommen worden, „ohne zuvor gemeinsam mit den klinisch tätigen Anwendern ausreichend entwickelt zu werden“. Viele der Probleme seien bereits mehrfach gemeldet worden, blieben jedoch ungelöst.

Ärzte fordern Neubewertung

Die Ärzte fordern deshalb eine Neubewertung des Systems anhand objektiver Effizienzdaten, einen Stopp weiterer Ausweitungen, solange die wichtigsten Mängel nicht behoben sind, mehr Transparenz über technische Probleme sowie eine stärkere Einbindung des medizinischen Personals.

Zum Abschluss richten die Unterzeichner einen klaren Appell an die Verantwortlichen: „Das Südtiroler Gesundheitswesen braucht keine Schlagworte über Modernisierung. Es braucht Werkzeuge, die funktionieren: schnell, integriert und an der realen klinischen Arbeit orientiert.“ Die Ärzte fordern: „Digitalisierung muss Medizin verbessern. Nicht behindern.“

Nach dem offenen Brief hat der Sanitätsbetrieb umgehend darauf reagiert. Hier lesen Sie die Stellungnahme des Südtiroler Sanitätsbetriebes.

stol

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