Samstag, 22. August 2026

Angst vor der Superintelligenz: Wer steuert wen?

Dass die Sorge vor dem Kontrollverlust über die Künstliche Intelligenz längst keine Sci-Fi-Theorie mehr ist, zeigen reale Vorfälle. Damit es nicht soweit kommt, bräuchte es einen globalen Kraftakt. Ein Kommentar.

Ein Kommentar von STOL-Redakteur Philipp Trojer. - Foto: © stol

Von:
Philipp Trojer
YouTube ist eine App, auf der ich mich eigentlich gerne herumtreibe. Egal, ob ich ein Video zum Zeitvertreib suche, eine spannende Dokumentation anschauen oder einfach über Comedy lachen will: Der Algorithmus hat meistens etwas Passendes parat. Zuletzt schlägt er mir jedoch dauernd Videos vor, deren Titel so schaurig sind, dass ich die Anwendung am liebsten schleunigst wieder schließen würde.

„Wir haben noch 5 Jahre, dann übernimmt die KI“, „So wird die Superintelligenz die Menschheit unterwerfen“, „KI-Forscher: 99,9 Prozent Wahrscheinlichkeit, dass uns eine Superintelligenz bis 2030 auslöscht“ – so lauten die Zeilen. Mir ist durchaus bewusst, dass es sich dabei um reißerischen Clickbait handelt. Trotzdem hat die Taktik funktioniert: Ich habe mich gespannt durch einige dieser Beiträge geklickt.

Anders als erwartet sitzen in vielen dieser Videopodcasts keine überdrehten Verschwörungstheoretiker, sondern renommierte Wissenschaftler und KI-Experten. Und sie warnen eindringlich davor, dass die Menschheit im Begriff ist, die Büchse der Pandora zu öffnen: Wir schrauben an einer Technologie, die schon bald unsere eigenen Fähigkeiten weit übersteigen könnte – mit Folgen, die schlicht unvorhersehbar sind.

Der Worst Case, den sie schildern: Schon bald arbeiten wir nicht mehr nur mit reinen Sprachmodellen à la ChatGPT, sondern einem Unternehmen gelingt es, eine Allgemeine Künstliche Intelligenz zu erschaffen. Damit vollzieht die KI den Sprung vom Werkzeug, das wir Menschen nutzen, zum autonomen Agenten, der uns für seine eigenen Ziele einspannen könnte. Was ab diesem Punkt geschieht, entzieht sich laut genannten Experten vollkommen unserer Kontrolle.

Klar ist, dass solche Hiobsbotschaften in unserer Aufregungsgesellschaft besonders viel Aufmerksamkeit erregen – und natürlich gibt es ebenso viele Experten, die weit weniger düstere Zukunftsszenarien zeichnen. Dass die Sorge vor dem Kontrollverlust aber längst keine reine Theorie mehr ist, wurde erst kürzlich deutlich, als eine KI von OpenAI eigenständig ein Unternehmen gehackt und Sicherheitslücken ausgenutzt hat – ohne dass ihre Entwickler überhaupt etwas davon mitbekamen.

Dieses Beispiel zeigt zwar nicht, dass die Machtübernahme der Maschinen unmittelbar bevorsteht. Sehr wohl zeigt es aber, wie rasch uns die Kontrolle über diese Systeme entgleiten kann. Damit das in Zukunft nicht passiert, bräuchte es ein geschlossenes internationales Handeln, um zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen, wie wir mit KI umgehen wollen.

Angesichts der aktuellen Weltlage scheint ein solcher globaler Kraftakt zwar kaum möglich, aber die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Welt angesichts großer Gefahren – man denke an das Verbot von Biowaffen oder die nukleare Rüstungskontrolle – an einem Strang ziehen kann. Es wäre wohl wieder an der Zeit dafür.

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