Dienstag, 14. Juli 2026

Fliegen am Buffet

Dass digitale Plattformen welcher Art auch immer sehr neugierig auf uns sind und alles von uns wissen möchten, ist längst kein Geheimnis. Und so will etwa Google Maps jetzt auch wissen, worauf wir Hunger haben. Der kostenlose Online-Kartendienst könnte bald Essensbestellungen direkt in der App ermöglichen, wie eine weltweit tätige Online-Technologiepublikation berichtet.

Mauro Stoffella - Foto: © Alfred Tschager

Die Entwickler des Tech-Portals Android Authority hätten im Code der neuesten Android-Version Textbausteine wie „Ask Maps to Order Food“ (also „Karten bitten, Essen zu bestellen“) entdeckt. Die Funktion knüpfe wahrscheinlich an das von der Google-KI Gemini-gestützte „Ask Maps“ an und nutze dessen agentische - also eigenständige - Fähigkeiten fürs Bestellen.

Rohes Hühnchen

Vor dem Bestellen der Mahlzeit wäre es aber auch nicht schlecht, sich einige Bewertungen anzuschauen. Aber es kann auch so was passieren: Die KI der US-amerikanischen Touristikwebsite Tripadvisor beschönigt negative Bewertungen - zitiert ein deutschsprachiges Onlinemagazin für Themen aus den Bereichen Informationstechnik und Wissenschaft eine Untersuchung der größten unabhängigen Verbraucherschutzorganisation im Vereinigten Königreich.

KI-generierte Zusammenfassungen in diesem Fall von Hotelbewertungen auf Tripadvisor verharmlosen negative Gästeerfahrungen systematisch: Ein Hotel auf den Malediven sei von der KI als makellos sauber gelobt worden, während Gäste rohes Hühnchen und Fliegen am Buffet gemeldet hätten; gegen die Kette werde wegen Lebensmittelvergiftungen in Hunderten von Fällen geklagt. Tripadvisor verteidigt sein KI-Tool als reine Überblickshilfe.

Nach drei Tagen ist Schluss

Keine Hilfe hingegen bietet KI bei einem längeren Cloud-Ausfall. Ein solcher würde 46 Prozent der Unternehmen früher oder später zur Betriebsaufgabe zwingen, zumindest in Deutschland. Das meldet Bitkom, der Branchenverband der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche.

Neun Prozent würden im Moment des Speicherplatz-Ausfalls sofort stillstehen, während ein Fünftel über 48 Stunden durchhalten würde – im Schnitt reicht der Puffer für rund drei Tage. Immerhin erlebten zuletzt 28 Prozent der Cloud-Nutzer gravierende Ausfälle. Aber keine Panik: Es wird auch vorgesorgt. 82 Prozent der Betriebe haben Notfallpläne, drei Viertel sichern Daten außerhalb der Wolke. Es darf also auch mal wolkenlos sein.

Mauro Stoffella, Medien- und Kommunikationsexperte

stol

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