Die Zahl der jungen Bewohner in Süditalien sank laut den Daten von mehr als 4,1 Millionen im Jahr 2019 auf rund 3,8 Millionen im Jahr 2026. Das entspricht einem Rückgang von mehr als 313.000 Menschen. Im Norden stieg die Zahl dagegen um fast 240.000 auf 5,19 Millionen. In Mittelitalien blieb sie weitgehend stabil. Experten warnen vor langfristigen Folgen für die Bevölkerungsstruktur, den Arbeitsmarkt und die wirtschaftlichen Entwicklungschancen des Mezzogiorno.
Mobilität junger Menschen wird immer selektiver
Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung auf Provinzebene. Zu den Gebieten mit dem stärksten Zuwachs junger Einwohner zählen seit 2019 Görz (Gorizia) in Friaul-Julisch Venetien (plus 10,9 Prozent), Genua (plus 8,4 Prozent), Bologna (plus 8,1 Prozent), Pavia (plus 7,2 Prozent) und Reggio Emilia (plus 6,6 Prozent). Es folgen Modena, Monza, Mailand sowie Bergamo. Gemeinsam ist diesen Regionen ein dynamischer Arbeitsmarkt, eine starke Industrie oder bedeutende Universitätsstandorte.Nach Einschätzung von Forschern betrifft die Entwicklung nicht nur die Zahl der Abwandernden, sondern zunehmend auch deren Qualifikation. Laut einem im Februar veröffentlichten Bericht des Forschungsinstituts Svimez verlegten zwischen 2002 und 2024 fast eine Million Menschen unter 35 Jahren ihren Wohnsitz vom Süden des Landes nach Mittel- oder Norditalien. Mehr als ein Drittel von ihnen verfügte über einen Hochschulabschluss. Unter Berücksichtigung der Rückkehrer verlor Süditalien in diesem Zeitraum mehr als 500.000 Menschen im Alter zwischen 25 und 34 Jahren. Rund 270.000 von ihnen waren Hochschulabsolventen. Die Mobilität junger Menschen wird dabei immer selektiver. Während zu Beginn der 2000er-Jahre weniger als 20 Prozent der Wegziehenden einen Universitätsabschluss hatten, liegt ihr Anteil inzwischen bei nahezu 60 Prozent.
Im Svimez-Bericht heißt es, ein höherer Bildungsabschluss erleichtere die Mobilität nicht nur, sondern werde zunehmend zu einem entscheidenden Motor der Abwanderung. Die Folge sei eine fortschreitende Abwanderung der qualifiziertesten Arbeitnehmer, was die Perspektiven für Entwicklung, Innovation und demografische Stabilisierung im Süden strukturell beeinträchtige. Die Forscher sprechen von einem Teufelskreis aus mangelnden lokalen Chancen und einem kontinuierlichen Verlust von Kompetenzen.


