Montag, 8. Juni 2026

Land Tirol entzieht Nonne Ehrenzeichen wegen Missbrauchsvorwürfen

Zum ersten Mal wird das Land Tirol ein Ehrenzeichen posthum aberkennen. Die Maßnahme, die am morgigen Dienstag per Beschluss formalisiert werden soll, sieht den Entzug des im Jahr 1972 verliehenen Verdienstkreuzes an die bereits verstorbene Ordensschwester Ignatia Zäzilia Schaubmair vor.

Gegen die Nonne gibt es „Vorwürfe von physischer, psychischer sowie sexualisierter Gewalt" gegenüber den im Heim betreuten Kindern.

Die Nonne war über zwei Jahrzehnte lang die Oberin der Benediktinerinnen und Leiterin des Mädchenheims Martinsbühel bei Zirl - eine Einrichtung, in der es unter ihrer Führung über viele Jahre hinweg zu schweren Misshandlungen kam.

Gegenüber der Tiroler Tageszeitung erklärte das Land Tirol, dass nachträglich Informationen bekannt geworden seien, die „Vorwürfe von physischer, psychischer sowie sexualisierter Gewalt" gegenüber den im Heim betreuten Kindern detailliert dokumentieren. Das Aberkennungsverfahren wurde auf Initiative von Sonja Reich, einer ehemaligen Heimbewohnerin, angestoßen.

Sie beschrieb die Oberin als „eine schreckliche Person", die von den Mitschwestern körperliche Züchtigungen forderte, um Gehorsam zu erzwingen. Dies ist die erste praktische Anwendung einer vor rund anderthalb Jahren in Innsbruck beschlossenen Gesetzesänderung.

Diese ermöglicht es, Ehrenzeichen auch nach dem Tod der Träger zu entziehen, sofern diese schwere Vergehen oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen haben. Obwohl das Gesetz hauptsächlich auf den Weg gebracht wurde, um die in der Nachkriegszeit an ehemalige NS-Größen verliehenen Auszeichnungen zu widerrufen, verzögern sich die Entscheidungen in diesen Fällen aufgrund komplexer historischer Überprüfungen und der Kontaktaufnahme mit den Nachkommen.

ansa/stol

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