Mit Blick auf das neue Schuljahr will die Initiativgruppe „Bildung am Abgrund“ die Protestmaßnahmen der Lehrpersonen fortsetzen – allerdings in leicht abgemilderter Form. Zugleich wird festgehalten, dass mit den beschlossenen Reallohnerhöhungen bei den Lehrergehältern ein erster wichtiger Schritt gesetzt wurde. Dennoch sieht die Gruppe bei den Lehrergehältern und anderen Rahmenbedingungen weiterhin wesentliche offene Punkte.
Sechs offene Punkte
Zu den Forderungen gehört unter anderem, dass für alle Grund-, Mittel- und Oberschullehrpersonen sowie Landeslehrpersonen bei gleichem Studientitel gleiche Gehaltstabellen gelten sollen.Auch die Zulage für Klassenvorstände soll nach Ansicht der Initiativgruppe für staatliche Lehrpersonen eingeführt werden – in gleicher Höhe wie für Landeslehrpersonen. Diese erhalten derzeit zwischen 115 und 230 Euro brutto pro Klasse und Monat.
Ein weiterer Punkt betrifft die Abfertigung. Bei staatlichen Lehrpersonen würden derzeit nur die staatlichen Lohnelemente in die Abfertigung einfließen. Über 40 Dienstjahre gerechnet entstehe dadurch ein finanzieller Nachteil von bis zu 70.000 Euro gegenüber Landeslehrpersonen, heißt es in der Aussendung.
Gefordert wird zudem eine jährliche Anpassung der Gehälter an die tatsächliche Inflation. Beim Inflationsausgleich bestehe seit 2025 bereits wieder ein Rückstand. Eine zufriedenstellende Regelung sowie die dafür notwendigen finanziellen Mittel seien bislang nicht abgesichert.
Die Initiativgruppe fordert außerdem eine spürbare Annäherung an die Tiroler Lehrergehälter in allen Dienstaltersstufen. Derzeit betrage der Unterschied mit steigendem Dienstalter bis zu 1.500 Euro netto monatlich. Als Vergleich werden Grundschullehrpersonen in Südtirol und Nordtirol genannt.
Auch beim Versicherungsschutz sehen die Lehrpersonen Handlungsbedarf. Lehrpersonen seien derzeit sowohl in der Schule als auch bei Ausflügen unzureichend abgesichert.
Reduzierte Tätigkeitspläne empfohlen
Vor diesem Hintergrund ruft die Initiativgruppe dazu auf, auch im kommenden Schuljahr ein gemeinsames Zeichen zu setzen. Die Verhandlungen sollten fortgesetzt und ausreichend finanzielle Mittel für die noch offenen Punkte bereitgestellt werden.Für die Wirksamkeit und öffentliche Sichtbarkeit der Protestaktion sei eine möglichst einheitliche Umsetzung im ganzen Land und über alle Schulstufen hinweg zentral. Die Initiativgruppe empfiehlt den Lehrerkollegien deshalb, im Herbst entsprechend reduzierte Tätigkeitspläne auszuarbeiten und zu beschließen.
Konkret empfiehlt „Bildung am Abgrund“ den Verzicht auf mehrtägige Lehrausflüge und Schulfahrten. Pro Klasse soll demnach maximal ein Ausflug oder Lehrausgang stattfinden. Schulinterne Projekte und zusätzliche Tätigkeiten sollen nur in begrenztem Umfang und ohne Einbeziehung kostenpflichtiger externer Expertinnen und Experten durchgeführt werden.
Auch „Qualitätsmarke Bildung Südtirol“ fordert weitere Schritte
Auch die Aktionsgruppe „Qualitätsmarke Bildung Südtirol“ sieht weiterhin Handlungsbedarf. In einer Aussendung zum Schulbeginn erklärt sie, dass die Proteste des vergangenen Jahres zwar dazu beigetragen hätten, die Probleme an den Schulen stärker ins Bewusstsein zu rücken. Aus Sicht der Gruppe seien die bisher gesetzten Maßnahmen jedoch noch nicht ausreichend.Neben der Bezahlung verweist die Aktionsgruppe unter anderem auf fehlende Mittel für Integration, Mehrsprachigkeit, Sozialpädagogik und psychologische Betreuung. Sie fordert deshalb zusätzliche Investitionen und bessere Rahmenbedingungen für die Schulen.
Wie die Proteste im neuen Schuljahr konkret aussehen, soll laut „Qualitätsmarke Bildung Südtirol“ den einzelnen Lehrerkollegien überlassen bleiben. Diese sollen selbst entscheiden, ob und in welchem Umfang sie etwa Ausflüge oder Expertenvorträge einschränken.
Damit bleibt auch für Eltern und Schüler kurz vor Schulbeginn offen, in welchem Umfang außerschulische Aktivitäten im kommenden Schuljahr stattfinden werden.


