Die Entscheidung, Unterricht in Sexual- und/oder Beziehungskunde an Grund- und Mittelschulen künftig nur noch mit dem Einverständnis beider Elternteile durchzuführen, untergräbt den Schutz und die Bildung von Kindern und Jugendlichen. Sexual- und/oder Beziehungskunde ist eine präventive Maßnahme gegen Gewalt, Diskriminierung und Fehlinformationen. Wenn die nächsten Generationen nicht altersgerecht und evidenzbasiert über Körper, Einvernehmlichkeit, Grenzen und sexuelle Gesundheit informiert werden, steigt das Risiko von Gewalt, Schamgefühlen und falschen Rollenvorstellungen – gerade in einem Umfeld, das traditionelle Geschlechterrollen und toxische Männlichkeitsnormen weiter verfestigen kann.
Aufklärung als präventive Maßnahme gegen Gewalt, Diskriminierung und Fehlinformationen.
Erschüttert nimmt der Landesbeirat für Chancengleichheit auch die öffentlichen Aussagen des Gründers der neugegründeten Partei „Futuro Nazionale“, Roberto Vannacci, zur Kenntnis, der den eigenen Straftatbestand für Femizide ablehnt, da es diese gar nicht geben würde (hier lesen Sie mehr dazu).Solche Verharmlosungen wissenschaftlich belegter Phänomene sind gefährlich: Sie delegitimieren Opfer, schmälern die Dringlichkeit von Präventionsmaßnahmen und blockieren sinnvolle politische Antworten. Femizide sind ein reales, globales und in Italien ebenso wie in vielen anderen Ländern vorhandenes Problem; sie sind das äußerste Symptom eines gesellschaftlichen Klimas, in dem Gewalt gegen Frauen nicht ausreichend bekämpft wird.
Die Kombination aus rückläufigen Bildungsstandards, politischer Verharmlosung von Gewalt gegen Frauen und der weiteren Legitimierung traditioneller Geschlechterbilder schafft einen Nährboden für toxische Männlichkeit. Toxische Männlichkeit – verstanden als ein System schädlicher Normen, das Dominanz, emotionale Unterdrückung und Gewaltverhalten belohnt – führt nicht nur zu individuellen Tragödien, sondern blockiert auch gesellschaftlichen Fortschritt. Das Beratungsgremium warnt davor, dass die aktuellen Signale aus der Politik die Rechte und die Sicherheit von Frauen in Frage stellen und etablierte Errungenschaften der Gleichstellung gefährden.
Der Landesbeirat für Chancengleichheit unterstützt nachdrücklich die Haltung des Landeshauptmanns und des zuständigen Landesrates für Chancengleichheit, Arno Kompatscher, welcher erklärt hat: „Nie mit Vannaci“ und erwarten uns dieselbe Stellungnahme auch seitens der Regierungsparteien auf Gemeindeebene und von allen politischen Kräften.
Deshalb fordert das Beratungsgremium unverzüglich:
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Der Landesbeirat für Chancengleichheit ruft alle politischen Akteurinnen und Akteure, Bildungseinrichtungen, zivilgesellschaftlichen Organisationen und die breite Öffentlichkeit auf, eindeutig Stellung zu beziehen. Rechte, die sich über Jahrzehnte hart erkämpft wurden, dürfen nicht in Frage gestellt oder aus politischen Opportunismus aufgegeben werden. Gleichstellung ist kein Privileg, sondern eine demokratische Grundlage und eine Frage der menschlichen Würde.
Der Landesbeirat für Chancengleichheit für Frauen steht bereit, um Dialog, Aufklärung und gemeinsame Maßnahmen voranzutreiben. Wir werden nicht tatenlos zusehen, wenn elementare Rechte und Schutzmechanismen ständig in Frage gestellt und folglich abgeschwächt werden. Jetzt zählt politischer Mut, klarer Handlungswille und die rasche Umsetzung des Gleichstellungsaktionsplans – zum Schutz heutiger und zukünftiger Generationen.


