Montag, 17. August 2026

ABSTIMMUNG: Haben Sie Erfahrungen mit Essstörungen gemacht?

Immer mehr Menschen in Südtirol erkranken an einer Essstörung – und sie sind zunehmend jünger und schwerer betroffen. 2025 wurden 693 Menschen behandelt, 17 Prozent mehr erkrankten neu. Besonders alarmierend: Mehr als ein Viertel der Betroffenen ist minderjährig.

Der tägliche Blick auf die Waage erfüllt viele Personen mit Essstörungen mit Angst. - Foto: © Shutterstock / shutterstock

2025 wurden in Südtirol 693 Menschen wegen einer Essstörung behandelt – sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders stark stieg die Zahl der Neuerkrankungen: um 17 Prozent. 28 Prozent der Betroffenen waren minderjährig, bei ihnen nahm die Zahl der Neuerkrankungen sogar um 21 Prozent zu. 92 Prozent der Erkrankten sind Frauen, meist sehr junge bis junge, acht Prozent Männer.

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Die größte und gefährdetste Gruppe sind Menschen mit Magersucht (Anorexia nervosa). 2025 waren es 235 Personen, also 34 Prozent aller Behandelten. Insgesamt würden Betroffene immer jünger und schwerer erkranken. Essstörungen können bereits mit neun Jahren beginnen, in 30 Prozent der Fälle vor dem 14. Lebensjahr.

In 60 Prozent der Fälle treten sie gemeinsam mit anderen psychischen Erkrankungen auf. Neben Magersucht, Bulimie und Binge-Eating nehme auch die restriktive Essstörung zu. Dabei wird Nahrung stark eingeschränkt, ohne dass Betroffene sich zwingend als zu dick wahrnehmen.

Besonders ernst ist die gesundheitliche Gefährdung: Das Suizidrisiko liegt sechsmal höher als im Bevölkerungsdurchschnitt. 2025 starben in Italien 4158 Menschen an Essstörungen, in Südtirol waren es zwei. Gleichzeitig steigt die Zahl der Erkrankten, während die Zahl der Helfer kaum zunimmt.

Das Netzwerk EATNET soll deshalb verschiedene Fachbereiche und Betreuungsstufen verbinden. Besonders problematisch seien Übergänge zwischen den Versorgungsformen, da Betroffene Behandlungen häufig abbrechen. In Südtirol wird derzeit zudem ein Betreuungspfad für gefährdete Patienten erarbeitet.

Für Minderjährige ist die Pädiatrie Brixen das landesweite Exzellenzzentrum, für Erwachsene ist ein entsprechendes Zentrum an der Psychiatrie Brixen geplant.

Für Psychiater Roger Pycha zeigt die Entwicklung vor allem eines: Immer mehr, immer jüngere und schwerer erkrankte Menschen müssen langfristig erreicht und begleitet werden.

stol

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