Die Ermittlungen wurden von der Bozner Finanzpolizei angeordnet und von den Beamten der Finanzpolizei Meran durchgeführt. Dabei soll ein ausgeklügeltes System eines mutmaßlichen Steuerbetrugs ans Licht gekommen sein: Die Ermittlungen betreffen fünf Gesellschaften einer Unternehmensgruppe im Zusammenhang mit dem Betrieb von mehr als zehn Restaurants und Berghütten in Südtirol.
Grundlage für die Ermittlungen war die Analyse zahlreicher Dateien und Dokumente. Deren Auswertung ergab laut Aussendung offenbar Hinweise auf eine Schattenbuchhaltung . Die Unterlagen erweckten demnach offenbar den Eindruck, das Lokal habe nur über eine geringe Kundenzahl verfügt. Bei der Rekonstruktion des mutmaßlich tatsächlichen Geschäftsvolumens stellten die Ermittler jedoch Unstimmigkeiten fest. Laut Aussendung stießen die Beamten dabei offenbar auf ein mutmaßlich ausgeklügeltes Betrugssystem.
Verdacht: Bestellungen nach dem Servieren storniert
Das System sei in allen Betrieben demselben Muster gefolgt: Bestellungen wurden zwar regulär über Handheld-Geräte aufgenommen und serviert, danach sollen die Bestellungen jedoch im System storniert worden sein. Mutmaßlich, um die steuerliche Nachverfolgbarkeit zu verhindern.Darüber hinaus sollen die gesetzlichen Vertreter der überprüften Gesellschaften offenbar auch Schulungskurse für ihre Mitarbeiter vorgetäuscht haben – laut Aussendung sollen diese nie wirklich stattgefunden haben. Die Beamten der Finanzpolizei wurden vor allem wegen der Art der mutmaßlichen Fortbildungen stutzig: Laut Aussendung handele es sich dabei um fortgeschrittene Informatikkurse, die zur „digitalen Transformation“ der Betriebe beitragen sollten. Ausgestellt worden seien sie jedoch an Köche, Kellner und Tellerwäscher.
Durch diese mutmaßlich gefälschten Kostennachweise der Kurse sollen Steuerguthaben von rund 350.000 Euro, die mutmaßlich unberechtigt zur Senkung der Steuerlast genutzt wurden, erschlichen worden sein.
Mehrere Personen bei der Staatsanwaltschaft gemeldet
Im Zuge der Ermittlungen wurden sieben Personen, die in unterschiedlicher Funktion für die Unternehmensgruppe tätig sind, der Staatsanwaltschaft Bozen gemeldet. Sie werden verdächtigt, falsche Rechnungen verwendet und ausgestellt zu haben sowie unrechtmäßig Fördergelder erlangt zu haben.Im Licht der erhobenen Ermittlungen wurden zudem fünf juristische Personen wegen der verwaltungsrechtlichen Haftung der Körperschaften bei der Staatsanwaltschaft gemeldet. Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt für alle Beteiligten die Unschuldsvermutung.


