Wenn Blasmusik auf brasilianische Rhythmen trifft
Das Finalwochenende beginnt am Freitag mit einem musikalischen Experiment in der Festung Franzensfeste. Der Allgäuer Multiinstrumentalist Matthias Schriefl und Mitglieder seiner Formation „Brazilian Motions“ treffen auf die Musikkapelle Schabs. Statt eines gefälligen Crossovers zeigt das Projekt, wie gut Weltläufigkeit und Blasmusik zusammenpassen.
Fast zeitgleich bringt das Ensemble NUBU im Bozner Parkhotel Laurin historische Raritäten wie den Serpent oder das Flugabone mit Naturfell-Perkussion und Kontrabass zusammen, während die Stimme als freies Material für Jodler und Rufe genutzt wird. Im Meraner Ost West Club präsentieren die Amadeus-Preisträger Schmack ihren detailverliebten Sound zwischen Jazz und Pop, abgerundet durch ein anschließendes DJ-Set von NILO.
Zwischen Rittner Baumriesen und polnischer Avantgarde
Am Samstag verlagert sich das Festival unter anderem auf den Ritten. Im Parkhotel Holzner in Oberbozen spielt das Felix Hauptmann Trio auf 1.200 Metern Höhe unter freiem Himmel und sucht im Zusammenspiel die Balance zwischen festen Strukturen und freier Improvisation. Einen urbanen Gegenpol setzt die Band O.N.E. im Bozner NOI Techpark.Als erste rein weibliche Instrumentalformation der polnischen Jazzszene verknüpfen die Musikerinnen slawische Einflüsse mit der Intensität von Free Jazz und Hip-Hop. In Brixen bespielt die Band Schmack am späten Nachmittag die „3 fiori café & craft beer bar“ für ein zweites Konzert.
Das Festival zieht ins Hochgebirge
Der Sonntag steht im Zeichen des Bergfinales auf 2.355 Metern Höhe. Unter dem Projektnamen „Brazilian Motions“ bricht Matthias Schriefl zu einer musikalischen Sternwanderung auf. Aufgeteilt in zwei Gruppen steigen die Musiker gemeinsam mit dem Publikum vom Passeiertal und vom Ridnauntal zum Knappendorf St. Martin am Schneeberg auf. Am Ziel fusionieren die Gruppen und verbinden brasilianische Stile wie Choro und Baião mit Texten von Patricia Cruz über das weibliche Element. Parallel dazu tritt das Sheen Trio um Shabnam Parvaresh im idyllischen Klobensteiner Wunderwald auf. Mit Bassklarinette, Gitarre und Schlagzeug erzählt das Trio Geschichten an den Schnittstellen von Jazz, Post-Rock und iranischer Melodik.Nach einem dritten Konzert von Schmack im Bozner Batzenhäusl zieht das Festival für das endgültige Finale runter ins Sudwerk. Hatten dort an den Vortagen noch die Late-Night-Sets von bodies und VAAGUE für den Ausklang gesorgt, setzt nun die Closing Party mit den DJs Ale Soul & Mr Pyson das finale Ausrufezeichen hinter die zehn Festivaltage.
So zeigt das Südtirol Jazzfestival Alto Adige zum Abschluss noch einmal sein unverkennbares Profil: Es ist keine Aneinanderreihung von Konzerten, sondern ein kreatives Refugium, das die alpine Landschaft mit dem Unerwarteten belebt und Raum schafft für unvorhersehbare musikalische Begegnungen.


