Ein Superstar des Klassikbetriebs: Die „New York Times“ bezeichnet den 1970 in Karmøy (Norwegen) geborenen Leif Ove Andsnes als „einen Pianisten von majestätischer Eleganz, Kraft und Einsicht“, das „Wall Street Journal“ nennt ihn „einen der begabtesten Musiker seiner Generation“.
Leif Ove Andsnes hat im Verlauf seiner Karriere mehr als 30 Alben eingespielt. Seine Aufnahmen wurden für acht Grammy Awards nominiert und gewannen internationale Preise, darunter sechs Gramophone Awards. Am 15. September gastiert er mit dem von Dima Slobodeniuk dirigierten Bergen Philharmonic Orchestra beim südtirol festival meran im Kursaal.
Das 1765 gegründete Bergen Filharmoniske Orkester gehört zu den ältesten Orchestern in Europa. Von 1880 bis 1882 leitete der Komponist Edvard Grieg diesen Klangkörper aus der Hafenstadt an der norwegischen Westküste. Am Beginn eines grandiosen Programms steht in Meran um 20.30 Uhr ein Werk, das der in Hamburg geborene Johannes Brahms als „ganz ein kleines Klavierkonzert“ mit „ganz einem kleinen zarten Scherzo“ angekündigt hatte.
Musik aus dem 20.Jahrhundert
Natürlich ein Understatement: Das Konzert ist riesengroß, der Solist wird zum Schwerstarbeiter, und der Kritikerpapst Eduard Hanslick bezeichnet das Werk nach der Uraufführung als „viersätzige Symphonie mit obligatem Klavier“.Auf diese Vollwertkost folgt Musik aus dem 20. Jahrhundert. „Als ob Gott der Vater Mosaikstücke aus dem Boden des Himmels hergeworfen und mich gebeten hätte, herauszufinden, wie es gewesen sei. Vielleicht eine gute Definition des Komponierens, vielleicht auch nicht“, notierte Jean Sibelius. Seine Fünfte Sinfonie mit dem berühmten „Schwanenthema“ im Finale – die dieses Konzert abschließt – ist eine endlose Baustelle.
Das Zusammenfügen der einzelnen Mosaiksteinchen fällt dem Kosmopoliten Sibelius mitten im Ersten Weltkrieg und angesichts des Finnischen Bürgerkriegs im Jahr 1918 – Sibelius wird von der sozialistischen Roten Garde unter Hausarrest gestellt, muss flüchten und hungert – schwer. „Die Natur jubelt, und die Menschen sind schlimmer als Tiere“, vermerkt er in seinem Tagebuch. 1915 schreibt er eine erste Fassung, 1916 eine zweite, die er nicht veröffentlicht, und erst 1919 entsteht die letzte Version der – von vier auf drei Sätze reduzierten – Sinfonie, die mit sechs klanglichen Eruptionen spektakulär endet.


