Der Titel „Ohne dich“ führt bewusst in die Irre. Er klingt nach Liebeslied, nach großer Sehnsucht, vielleicht sogar nach jenem Gassenhauer der Münchener Freiheit, der seit den 80er-Jahren in vielen Köpfen abgespeichert ist. Mit all dem hat die neue Single von Othmar Schönafinger aber rein gar nichts zu tun. Der Musiker aus Gargazon veröffentlicht den Song als Liquid Gas – und erzählt darin nicht von romantischer Verklärung, sondern von Nähe, die nicht guttut. „Der Twist kommt im zweiten Vers.“
Dann werde klar, dass es um eine toxische Beziehung gehe – ein Phänomen, das es heute leider erschreckend oft gebe.
Musikalisch ist „Ohne dich“ eine tanzbare Nummer: warm, eingängig, mit deutlich hörbarem Retro-Schimmer. „Ich finde diesen Kontrast aus Disco-Klängen und ernstem Thema spannend.“
Es ist ein Spiel mit den Erwartungen des Hörers. Dass ein Song nicht gleich alles preisgibt, ist dem Musiker wichtig. „Oberflächliche Musik mit oberflächlichen Texten ist für mich Fast-Food-Musik“, sagt er. Ihn reizen Stücke, bei denen man genauer hinhören muss.
„Man sagte mir, Gitarre sei am einfachsten“
Eigenständigkeit zieht sich durch Schönafingers musikalischen Weg. Zur Musik kam er vergleichsweise spät – und aus einem sehr einfachen Grund. „Ich wollte Songs schreiben, dann habe ich ein Instrument gebraucht, um die Songs zu realisieren“, erzählt er. Jemand habe ihm gesagt, Gitarre sei dafür am einfachsten. Also lernte er mit 18 Jahren Gitarre.Es folgten verschiedene Bands, vor allem John’s Revolution. Weil aber immer neue Ideen auftauchten und nicht alles in dieselbe musikalische Schublade passte, entstanden auch Soloprojekte: Jesus Christ Superfast, eher im Punk- und Garage-Sound verwurzelt, und ab 2010 Liquid Gas, elektronischer angelegt. Später rückte The Shea in den Vordergrund, poppiger, zugänglicher, mit Plattenvertrag bei Concord Records in Wien und zwei Alben. Aktuell überlässt The Shea wieder Liquid Gas die Bühne.
Der Mann der vielen Projekte
Ist dieses Hin und Her nicht auch anstrengend? „Nein, es ist eine Möglichkeit, unterschiedlichen Songs ihren Platz zu geben. Ich entscheide von Song zu Song“, sagt Schönafinger. So offen er selbst zwischen seinen Projekten wechselt, so wichtig ist ihm innerhalb dieser Projekte eine erkennbare Linie. Früher, erzählt er, sei er nie ein Fan von Bands gewesen, die sich so weit von ihrem ursprünglichen Sound entfernen, dass man sie kaum wiedererkenne. „Namen sollen bei der Orientierung helfen. So handhabe ich das auch.“Wenn Schönafinger über sein Schaffen spricht, tut er das ziemlich unaufgeregt. „Ich war noch nie einer, der große Ziele als Musiker gehabt hat“, sagt er. Sein wichtigster Antrieb sei immer gewesen, die Ideen umzusetzen, die in ihm auftauchen. Wenn er das nicht mehr täte, meint er, würde er wohl Bauchweh bekommen. „Also kann man sagen, mein Ziel ist es, kein Bauchweh zu bekommen.“

