Der Vorsitzende des KVW, Werner Steiner, ging in seiner Rede vor allem auf die Themen Wohnraum, Rente und Pflegesicherung ein. Diese Anliegen begleiten den Verband seit seiner Gründung vor fast 80 Jahren und sind nach wie vor hochaktuell. In Südtirol seien die Mietpreise in den vergangenen Jahren massiv gestiegen, Eigentumswohnungen seien für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei den derzeitigen Preisen kaum mehr leistbar. Mithilfe der Arche im KVW wolle man daher auch durch die Gründung der Stiftung Wohnen einen Beitrag leisten, damit in naher Zukunft an mehr als zehn Standorten über 200 Wohnungen mit Preisbindung entstehen.
Forderung nach Aufbesserung der Mindestrenten
Auch die niedrigen Renten – insbesondere jene vieler Frauen – seien weiterhin ein drängendes Thema. Steiner forderte deshalb eine Aufbesserung der Mindestrenten, damit Menschen auch im Alter ein würdevolles Leben führen können. „Wir sehen, dass sich wirtschaftliche und soziale Ungleichheiten verschärfen – durch Inflation, durch Hetze in den Medien, durch anonyme Schreiber und durch eine allgemeine Unzufriedenheit. Ein Sozialstaat, der den Namen verdient, muss Menschen in Krisenzeiten unterstützen“, betonte Steiner. Der KVW lehne beispielsweise eine Versicherungslogik beim Pflegegeld entschieden ab. Bei einem Rekordhaushalt von 8,67 Milliarden Euro müsse es möglich sein, die finanzielle Belastung der Familien abzufedern. Der Pflegebedarf werde in den kommenden Jahren massiv ansteigen.KVW-Jahresthema Frieden
Im Mittelpunkt des Vormittags stand das Referat von Don Mario Gretter zum Thema „Die Herausforderungen des Friedens – Einige Impulse aus der Tradition der Weltreligionen“. Gretter spannte einen Bogen von den Friedensbotschaften der Religionen – Hinduismus, Buddhismus, Sikhismus, Judentum, Islam und Christentum – hin zu aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen. Er warb für mehr gegenseitiges Verständnis, Zuhören und Verantwortung. „In Südtirol leben derzeit Menschen, die über 127 Sprachen sprechen – oft allerdings nebeneinander und nicht miteinander. In welcher Sprache spricht Gott?“, fragte Don Mario Gretter das Publikum. Gerade in Meran seien seit Langem verschiedene religiöse Gemeinschaften beheimatet: jüdische Gemeinden, russisch-orthodoxe Christen, eine starke evangelische Gemeinde und in jüngster Zeit auch viele Muslime. „Du bist willkommen“ sei ein gemeinsames Credo vieler Religionen. Jede und jeder müsse einen Beitrag zum Friedensprozess leisten, weil uns mehr verbinde, als trenne und niemand alleine Frieden schaffen könne. „Frieden heißt, dass wir fähig sind, gut zusammenzuleben. Es bedeutet nicht nur die Abwesenheit von Krieg“, so Gretter.Erstmals fand die traditionelle Landesversammlung nicht in Bozen, sondern im neu renovierten Stadttheater Meran statt.


