Mittwoch, 12. August 2026

UN Women: Afghanische Frauen verlassen kaum noch ihr Zuhause

Knapp fünf Jahre nach der Übernahme Afghanistans durch die islamistischen Taliban verlassen afghanische Frauen kaum noch ihr Zuhause. 52 Prozent der befragten Frauen hätten ihr Haus nur zweimal oder weniger oft im Monat verlassen, berichtet die Frauenorganisation der Vereinten Nationen, UN Women.

Eine mit einer Burka bekleidete afghanische Frau geht am 11. August 2026 durch eine Straße im Bezirk Dand in der afghanischen Provinz Kandahar. - Foto: © APA/afp / SANAULLAH SEIAM

Demgegenüber stünden 96 Prozent der befragten Männer, die ihr Haus jeden Tag verließen, schreibt die Organisation in einer aktuellen Publikation.

65 Prozent der für UN Women befragten Frauen gaben an, dass sich ihr Leben nach der Übernahme der Taliban schlechter entwickelt habe, als sie das vorher erwartet hatten. Besonders die massiven Einschnitte im Zugang zu Bildung für sich und ihre Kinder geben sie in der Befragung als Gründe für die verschlechterte Perspektive an.


Der Zugang zu Bildung hat sich massiv verschlechtert. - Foto: © APA/afp / SANAULLAH SEIAM



Sieben von zehn Frauen gaben an, dass sich ihre psychologische Gesundheit im vergangenen Jahr verschlechtert habe. In von UN Women zusätzlich durchgeführten Interviews führten Frauen psychische Probleme auch auf die Restriktionen zurück. Dafür wurden nach Angaben von UN Women in zwei Runden landesweit über 2.000 Personen als repräsentative Gruppe befragt. Die Ergebnisse unterscheiden sich zwischen ländlichen und urbanen Regionen.

Humanitäre Krise in Afghanistan

Am 15. August 2021 hatten die Taliban nach einer Blitzoffensive die afghanische Hauptstadt Kabul eingenommen. In den folgenden Jahren schränkten sie die Rechte von Mädchen und Frauen im Land drastisch ein. Weiterführende Schulen und Universitäten dürfen sie etwa nicht besuchen. Auch aus Teilen des Arbeitslebens werden sie herausgedrängt.

Afghanistan durchläuft derzeit neben den Einschränkungen für Frauen eine massive humanitäre Krise. 47 Prozent der Minderjährigen seien nach Angaben des Welternährungsprogramms im ersten Quartal dieses Jahres unterernährt gewesen. Unterfinanzierte internationale Hilfsprogramme, schlechte Ernten infolge von Dürren sowie fast 5,9 Millionen Rückkehrer seit September 2023 erschweren die Lage.

dpa

Stellenanzeigen


Teilzeit






Teilzeit





powered by
Kommentare
Kommentar verfassen
Bitte melden Sie sich an um einen Kommentar zu schreiben
senden