Über genau dieses Rad hat die Wirtschaftsjournalistin Ulrike Herrmann kürzlich in einem sehr hörenswerten Podcast der österreichischen Tageszeitung „Der Standard“ gesprochen.
Ihre These ist ebenso provokant wie unbequem: Der Kapitalismus, wie wir ihn kennen, hat keine Zukunft mehr. Zwar hat dieses Wirtschaftssystem Wohlstand geschaffen wie kein anderes zuvor, doch zu einem hohen Preis: Sein Motor ist ständiges Wachstum. Dafür braucht es immer mehr Energie und immer mehr Ressourcen. Beides ist endlich.
Dass wir die ökologischen Grenzen unseres Planeten überschritten haben, zeigt sich direkt vor unserer Haustür. Südtirol erlebt den drittheißesten Sommer seit Messbeginn 1850. In ganz Norditalien wird das Wasser knapp, und Westeuropa beklagte während der Hitzewelle Ende Juni über 10.000 zusätzliche Hitzetote. Diese Krisen sind die direkten Symptome eines globalen Raubbaus. Wir leben über unsere Verhältnisse – in Ländern wie Italien, Österreich oder Deutschland so, als hätten wir drei Erden zur Verfügung. Tatsächlich gibt es aber nur eine.
Genau hier setzt Herrmanns Kernargument an: Der Kapitalismus ist untrenntbar mit der Industrialisierung verbunden – also dem Ersetzen von Menschen durch Maschinen. Und diese Maschinen benötigen gigantische Mengen an Energie und Rohstoffen.
Ein „grünes“, klimaneutrales Wachstum hält die Bestsellerautorin jedoch für eine Illusion. Selbst wenn es uns gelänge, die fossile Energie komplett durch Sonne und Wind zu ersetzen, wäre das Problem nicht gelöst: Der unendliche Hunger nach Rohstoffen lässt sich auf einem endlichen Planeten nicht stillen.
Die logische Konsequenz: Wenn wir nicht unbegrenzt weiterwachsen können, müssen wir schrumpfen. Herrmann plädiert für ein gezieltes „Degrowth“ – einen bewusst gestalteten Rückgang von Produktion und Konsum.
Man muss der Argumentation der Wirtschaftsexpertin nicht in jedem Punkt folgen. Vielleicht kann man angesichts dieser globalen Herausforderung auch zu anderen Schlussfolgerungen kommen. Dass unser Planet aus dem letzten Loch pfeift und unser Wirtschaftssystem an seine Grenzen stößt, lässt sich aber wohl kaum bestreiten. Über Alternativen nachzudenken – Kreislaufwirtschaft, Gemeinwohl-Ökonomie, Degrowth –, scheint daher mehr als nur vernünftig.



