Das Buch enthält auch eine Beschreibung der Begegnung von Vance und seiner Familie mit Papst Franziskus im Vatikan am Tag vor dessen Tod im April 2025. Ferner streift Vance wichtige Stationen der eigenen Biografie, von der Familie über die Zeit beim Militär und als Student bis hin zu seiner überraschenden Karriere als Bestseller-Autor und Politiker.
„Katholizismus fühlt sich stabiler an“
Über die katholische Kirche schreibt er: „Zu den Dingen, die ich an meiner Kirche bewundere, gehört die Tatsache, dass grundlegende Fragen der Lehre sich nur sehr selten ändern, und das auch nur nach einem langen, mühsamen Prozess, der viele kirchliche Instanzen involviert. Deshalb fühlt sich Katholizismus stabiler an, was eine Reihe junger Konvertiten anzieht, mit denen ich gesprochen habe, und die im Chaos des modernen Lebens einen tiefen Sinn suchen.“Als entscheidende Stationen auf dem Weg zum Glauben nennt Vance unter anderem Gespräche mit zwei intellektuellen Dominikanerpatres in Washington, die Geburt des ersten Sohnes und ein Erlebnis in einer weitgehend leeren Kathedrale in Burgund. Dort habe er die ganze, lange und spannungsreiche Geschichte der katholischen Kirche gespürt. Er schreibt über seine Erkenntnis in diesem Moment: „Und doch, die Kirche, dieses Gebäude und die Gemeinschaft der Gläubigen, hat all das überdauert.“ Bald danach bat er um die Taufe.
Kritik an Vatikan-Diplomatie beim Thema Migration
Zu den zeitgeschichtlich interessantesten Passagen des Buchs gehört eine Schilderung seines Besuchs im Vatikan zu Ostern 2025. Über sein damaliges Treffen mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin und weiteren Vatikandiplomaten ist er an einem Punkt eher enttäuscht. Diese hätten beim Thema Migration nicht sehr klar gesprochen: „Was sie sagten, war zu abstrakt, um hilfreich zu sein.“Er selbst, so Vance, hätte Kontroversen nicht gefürchtet, war nach eigenem Bekunden aber „überrascht, dass eine der wenigen Instanzen mit moralischer Autorität und globaler Perspektive in der Frage der Migration so ängstlich schien, etwas Kontroverses zu sagen, dass sie lieber im Endeffekt gar nichts sagte“.
Da sei ihm Papst Franziskus, den er noch am Tag vor dessen Tod im Vatikan traf, lieber gewesen. Die Ablehnung mancher konservativer Katholiken gegenüber Franziskus habe er, Vance, nicht geteilt, selbst da, wo man unterschiedlicher Meinung war. Denn: „Er war der Papst, Donald Trump der (US-)Präsident und ich der Vizepräsident. Wir hatten unterschiedliche Rollen, und mir waren seine klaren Mahnungen lieber als die vagen Dinge, die ich im Vatikan zu hören bekam.“
Da Vance der letzte internationale Politiker gewesen war, der Papst Franziskus getroffen hatte, machten nach dessen Tod Memes im Internet die Runde, der US-Vizepräsident habe ihn „umgebracht“.


