Es war 1945, die Südtiroler Wirtschaft nach dem Krieg am Boden. Um den Geschäften unter den Bozner Lauben im wirtschaftlichen Wiederaufbau eine gemeinsame Stimme zu geben, schlossen sich 70 Unternehmer zur „Vereinigung der Kaufleute“ zusammen. Ein Jahr später wurde daraus ein landesweiter Interessensverband.
Heute ist der hds, wie er seit 2008 heißt – einer der größten und einflussreichsten Wirtschaftsverbände des Landes, welcher Händler, Dienstleister und Gastronomen vertritt. Insgesamt zählt der Verband 5.500 Mitgliedsbetriebe, 28 Fachgruppen und 500 ehrenamtliche Funktionäre.
Handel in Ortszentren fördern
Beim Festakt zum 80-jährigen Bestehen auf Schloss Maretsch zog hds-Präsident Philipp Moser am Donnerstagabend eine positive Bilanz. „Der Handel bleibt eine tragende Säule unseres Wirtschaftsstandortes.“ Jede noch so kleine Gemeinde habe eine funktionierende Nahversorgung, das Ladensterben halte sich in Grenzen und die Beschäftigung im Handel sei in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 20 Prozent gestiegen.Dass Südtirols Wirtschaft auf stabilen Beinen stehe, sei das Ergebnis engagierter Unternehmer sowie eines guten Zusammenspiels von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, so Moser.
Damit das jedoch auch in Zukunft so bleibt, müssen laut dem hds-Präsidenten bereits heute die richtigen Weichen gestellt werden. „Wir wollen nicht nur reagieren, sondern die Entwicklungen frühzeitig erkennen und aktiv mitgestalten.“
Eine dieser Entwicklungen: eine richtige Standortpolitik, die auf lebendige Zentren setzt. „Der Einzelhandel gehört in die Orts- und Stadtzentren. Nicht auf die grüne Wiese und nicht in die Gewerbegebiete.“ Das Südtiroler Handelsgesetz aus dem Jahr 2018 hat dafür wichtige Leitplanken geschaffen. Eine Aufweichung dieser Regeln lehnt der hds-Präsident ab. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Digitalisierung. Unternehmen müssten Prozesse automatisieren und die Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz nutzen.
Rahmenbedingungen verbessern
Handlungsbedarf sieht der hds zudem bei den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Unternehmerisches Handeln ist gerade für junge Leute nicht einfach. „Und deshalb brauchen wir die richtigen Voraussetzungen: weniger Bürokratie, mehr Planungssicherheit, mehr Flexibilität und unsere große Frage leistbares Wohnen“, so Moser.Nicht zuletzt gilt es, dem Fachkräftemangel und der Betriebsnachfolge Aufmerksamkeit zu schenken. „Wir müssen Fachkräfte gewinnen und halten, Aus- und Weiterbildung stärken, den Generationenwechsel sichern und jenen, die nach ihrer Pensionierung weiterhin arbeiten möchten, die Möglichkeit dazu geben.“
Der Wirtschaftsverband wolle alles daran setzen, Betriebe auf diese Herausforderungen vorzubereiten und zu unterstützen. „Unsere wirkliche Stärke liegt in der Nähe zu den Betrieben und in unserem kontinuierlichen Austausch mit ihnen.“
Mitglieder seit acht Jahrzehnten
Zu den über 5.000 Mitgliedern des hds gehören auch mehrere Betriebe, die von Anfang an dabei sind. Vier davon wurden nun anlässlich des 80. Verbandsjubiläums geehrt. Dazu zählen: Der Traditionsladen Josef Peter Rösch unter den Meraner Lauben, die Thaler Parfümerie sowie Therese Gasser unter den Bozner Lauben und die Weinkellerei Josef Brigl in St. Michael/Eppan.Ebenso auf dem Programm des Abends stand eine Gesprächsrunde mit den Landesräten Rosmarie Pamer, Marco Galateo und Luis Walcher sowie hds-Direktorin Sabine Mayr, bei der eine Reihe von Themen, die den hds bewegen, diskutiert wurden, unter anderem Nahversorgung, Kaufkraft, lebendige und attraktive Orte und das Zusammenspiel zwischen den einzelnen Wirtschaftssektoren.


