Anna OberkoflerSarnthein. In ihrem Geschäft Abrakadabra in Sarnthein setzt Sandra auf hochwertige Materialien, kreative Ideen und Reparaturen – und bietet damit einen bewussten Gegenpol zu Billigmode und Onlinehandel.
Eigentlich begann alles mit ihren Kindern. Sandra nähte Kleidungsstücke für sie, besuchte anschließend mehrere Nähkurse und entdeckte dabei ihre Freude am kreativen Arbeiten. „Nähen ist zu meinem Lieblingshobby geworden – und irgendwann habe ich beschlossen, daraus meinen Beruf zu machen“, erzählt sie.
Im Jänner 2023 eröffnete Sandra in Sarnthein das Geschäft Abrakadabra. Stoffe, Nähzubehör, Reparaturarbeiten und vor allem die persönliche Beratung machen den kleinen Laden zu einem Treffpunkt für Nähbegeisterte jeden Alters. Wer das Fachgeschäft betritt, findet deshalb weit mehr als Materialien: Es geht um Ideen, Austausch und darum, eigene Projekte umzusetzen.
Onlinehandel verdrängt traditionelles Handwerk
Heute beobachtet Sandra, dass das Nähen wieder beliebter wird. „Viele möchten kreativ sein, selbst etwas gestalten und schätzen das Handgemachte“, sagt sie. Ihre Kundschaft sei bunt gemischt: Ältere Menschen kämen gerne zum persönlichen Austausch, gleichzeitig würden auch viele junge Mütter das Geschäft besuchen und sich über Projekte und Ideen austauschen.Lange Zeit schien das Nähen aus der Mode gekommen zu sein. Günstige Kleidung aus großen Modeketten und dem Onlinehandel verdrängte vielerorts das traditionelle Handwerk. Nun entdecken immer mehr Menschen das Nähen wieder – aus Freude am Selbermachen, aber auch, um Kleidung länger und bewusster zu nutzen.
Gerade gegenüber großen Modeketten und dem Onlinehandel sieht Sandra eine Stärke kleiner Fachgeschäfte. Beim Preis und bei der Auswahl könne man kaum konkurrieren.
„Unser Vorteil ist das persönliche Gespräch, die Beratung und der Service. Die Kunden können die Ware direkt sehen und fühlen und gemeinsam mit uns Ideen entwickeln.“
Auch Reparaturen und einfache Änderungsarbeiten gehören zum Angebot. Ob kaputter Reißverschluss oder kleines Loch: Vieles lässt sich mit wenigen Handgriffen wieder in Ordnung bringen. „Oft braucht es nur eine kleine Reparatur, und das Kleidungsstück ist wieder voll funktionstüchtig“, sagt Sandra. Für sie ist Reparieren ein wichtiger Teil eines nachhaltigeren Umgangs mit Kleidung.
Begleitet Nähprojekte ihrer Kunden
Sandra begleitet Nähprojekte ihrer Kunden von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt. „Manchmal traut sich jemand zunächst nicht an eine bestimmte Arbeit heran. Dann überlegen wir gemeinsam, wie es funktionieren könnte – und wenn mir später Fotos vom fertigen Stück gezeigt werden, freut mich das ganz besonders“, sagt Sandra. Genau darin sieht sie ihre persönliche Aufgabe: Menschen zum Selbermachen anzuregen.„Es macht mir sogar noch mehr Freude, andere Menschen zum kreativen Schaffen zu inspirieren, als ein eigenes selbstgenähtes Stück zu verkaufen“, betont Sandra.
Für den Ortskern von Sarnthein wünscht sie sich vor allem eines: Leben. Kleine Fachgeschäfte seien nicht nur Nahversorger, sondern auch Orte der Begegnung und des Austauschs. „Bei uns im Dorf ist fast alles erhältlich. Das sollten wir alle schätzen“, meint die junge Unternehmerin.


