Montag, 3. August 2026

Handelskammern: Slot-System „praktisch nicht umsetzbar“

Auf der Suche nach einer Verkehrslösung für den Brenner-Transit wird seit Längerem auch über die Einführung eines Slot-Systems diskutiert. Die Handelskammern von Bozen und Trient sprechen sich in einem Schreiben dagegen aus und warnen vor erheblichen wirtschaftlichen Schäden.

Der Verkehr – insbesondere der Schwerverkehr – nimmt seit Jahren auf der Brennerachse zu. - Foto: © hpv

Von:
Josef Bertignoll

Die Idee eines digitalen Slot-Systems, bei dem Lkw ein Zeitfenster für die Durchfahrt im Voraus buchen müssen, steht bereits seit einigen Jahren im Raum. Das Land Südtirol hat dazu bereits 2022 eine Machbarkeitsstudie veröffentlicht. Derzeit nimmt die Debatte darüber wieder Fahrt auf.

„Schwarzmarkt“ für Slots könnte entstehen

Die Handelskammern von Bozen und Trient stehen diesen Plänen jedoch weiterhin kritisch gegenüber. „Ein Buchungssystem würde die Flexibilität des Lkw-Verkehrs über die Brennerautobahn massiv einschränken und wäre mit erheblichem bürokratischem Mehraufwand sowie zusätzlichen Kosten verbunden“, betonen Andrea de Zordo und Michl Ebner, die Präsidenten der Handelskammern von Trient und Bozen, in einer Aussendung.

Zudem sei eine gerechte Verteilung der Slots faktisch nicht möglich. Die Handelskammern befürchten, dass vor allem größere Unternehmen mit entsprechenden Ressourcen den Großteil der Slots für sich beanspruchen könnten, während kleinere Betriebe das Nachsehen hätten. Ein weiteres Risiko sehen die Kammern im Weiterverkauf reservierter Buchungen: Es bestehe die Gefahr, dass sich ein Schwarzmarkt für Slots entwickelt.

Was tun bei Verspätungen?

Neben diesen organisatorischen Bedenken weisen die Handelskammern auf die Unvorhersehbarkeit im Güterverkehr hin: „Wenn ein Lkw nun aufgrund einer Verspätung seinen Slot verpasst – wo soll er dann warten, bis der nächste Slot frei ist? Das würde zu extremen Staus führen“, warnen Alberto Olivo und Alfred Aberer, die Generalsekretäre der Handelskammern von Trient und Bozen. Darüber hinaus sei es ungerecht, Transportunternehmen für Verspätungen zu bestrafen, die häufig durch höhere Gewalt entstehen.

Erleichtert zeigen sich die beiden Handelskammern hingegen beim Thema der Tiroler Transitverbote: Sie begrüßen die jüngste Empfehlung des EuGH-Generalanwalts Manuel Campos Sánchez-Bordona. Dieser plädiert für die Aufhebung des Tiroler Lkw-Nachtfahrverbots, der Samstags-Fahrverbote im Winter sowie des sektoralen Fahrverbots für bahntaugliche Güter, da diese den freien Warenverkehr in der EU unzulässig einschränken.

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