Donnerstag, 30. Juli 2026

„Hohe Beträge bedeuten nicht automatisch gute soziale Absicherung“

Südtirol weist italienweit hohe Rentenwerte auf, doch die Zahlen zeichnen laut Armutsnetzwerk ein weniger komfortables Bild. Inflation, hohe Lebenshaltungskosten und die Entwicklung der Renten im Verhältnis zum Wohlstand lassen Zweifel an einer ausreichenden Absicherung im Alter aufkommen.

„Obwohl sämtliche Renten gegenüber 2015 und 2023 nominal gestiegen sind, relativiert die Inflation diese Zuwächse“, betont das Armutsnetzwerk Südtirol. - Foto: © dpa-tmn / Christin Klose

Eine Analyse der aktuellen Rentendaten 2024 durch das Armutsnetzwerk Südtirol zeigt ein differenziertes Bild: Trotz italienweit höchster medianer Jahresrenten lassen hohe nominale Beträge allein keine Rückschlüsse auf die tatsächliche Lebenslage älterer Menschen zu.

Südtirol weise laut Armutsnetzwerk mit 69,4 Prozent den höchsten Anteil an Altersrenten in Italien auf, liege bei deren durchschnittlicher Höhe im regionalen Vergleich gleichzeitig nur im oberen Mittelfeld (Platz 7). „Zudem verzeichnet das Land seit Jahren mit rund 10 Prozent den niedrigsten Anteil der Rentenausgaben am Bruttoinlandsprodukt (BIP) aller italienischen Regionen.“

Obwohl sämtliche Renten gegenüber 2015 und 2023 nominal gestiegen sind, relativiere die Inflation diese Zuwächse: „Bei einer Preissteigerung von 26,7 Prozent zwischen 2015 und 2024 ergibt sich für Altersrenten ein realer Kaufkraftverlust von rund 10 Prozent.“

Besonders deutlich werde die Diskrepanz beim „Index des relativen Nutzens“, der die durchschnittliche Rente ins Verhältnis zum BIP pro Kopf setzt. „Dieser Wert lag 2024 bei nur 29,8 Prozent (2020: 33,5 Prozent) – der niedrigste Wert aller Regionen in Italien. Südtirols hoher Wohlstand führt somit nicht automatisch zu einer adäquaten materiellen Absicherung im Alter und schützt nicht effektiv vor Armutsgefährdung, von der insbesondere Frauen betroffen sind (Gender-Pension-Gap)“, betont das Armutsnetzwerk.

Anpassung der Indikatoren gefordert

Das Armutsnetzwerk Südtirol begrüßt die regelmäßige Berichterstattung des Astat zur Einkommens- und Lebenssituation älterer Menschen, hält jedoch eine Erweiterung der herangezogenen Indikatoren für erforderlich. Benötigt würden Daten zur tatsächlichen Armutsgefährdung, zum verfügbaren Einkommen, zur Entwicklung der Kaufkraft, zur Wohnsituation bzw. Wohnkostenbelastung sowie eine systematische Analyse der Rentenentwicklung im Verhältnis zu den lokalen Lebenshaltungskosten.

Auch der „Index des relativen Nutzens“ sollte künftig regelmäßig und vergleichend veröffentlicht werden. Nur eine solche fundierte Datengrundlage schaffe die nötige Evidenz, um das tatsächliche Armutsrisiko älterer Menschen in Südtirol realistisch einzuschätzen.

„ Dafür sollte das Astat im Auftrag der Landesregierung sorgen. Diese Daten sind eine unverzichtbare Voraussetzung für eine vorausschauende, evidenzbasierte Sozialpolitik, die zielgerichtete Maßnahmen gegen Altersarmut steuert und deren Wirksamkeit kontinuierlich überprüft. Einer solchen differenzierten Analyse müssen jedoch Taten folgen: Es braucht mutige strukturelle Veränderungen, die im Alltag der Seniorinnen und Senioren zu echten Verbesserungen führen“, so das Netzwerk.

pho

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