Sonntag, 6. September 2026

Zwischen Klick und Kilowatt

Eine interessante Erkenntnis: Ein KI-Label senkt die Kaufabsicht – auch bei echten Fotos. Also nicht KI-Bilder, sondern deren Kennzeichnung verschreckt die Kundschaft, berichtet der deutsche Händlerbund. Eine Studie der Hochschule Hannover hat über 150 Teilnehmenden vier Produktbilder bewerten lassen: Ob echt oder KI-generiert, macht für die Produktwahrnehmung keinen nachweisbaren Unterschied, bei der Kaufabsicht liegen KI-Bilder sogar leicht vorne. Ein „KI-generiert“-Hinweis dagegen drückt Vertrauen und Kaufabsicht spürbar, auch wenn sie im Experiment zum Teil auf echten Fotos prangte.

Mauro Stoffella - Foto: © Alfred Tschager

Wenn die KI kommt, geht die Gen Z

Und erkennt die Generation Z im Marketing den Einsatz von KI, strafen drei von vier Befragten die Marke dafür ab, zitiert ein bekanntes, führendes Online-Branchenmagazin für Marketing und Werbung eine aktuelle Studie.

74 Prozent reagierten negativ, die Hälfte sehr negativ, nur acht Prozent positiv. Die Konsequenzen: 50 Prozent entfolgten der Marke, 49 Prozent beschwerten sich, 48 Prozent kündigten Newsletter und 43 Prozent kauften die Marke nicht mehr. Dabei zielt die Kritik nicht einmal auf die Optik, sondern auf die Annahme, dass KI Jobs koste und auf der unbezahlten Arbeit von Kreativen basiere.

Die effektivsten Phishing-Mails

Sehr effizient ist hingegen die KI beim Schreiben von Phishing-Mails. Die von KI personalisierten Mails erreichen eine Klickrate von zehn Prozent, generische hingegen nur 3,9 Prozent, so eine Studie der Ruhr-Universität Bochum. Von Menschen personalisierte Mails führten zwar zu 24,2 Prozent Klicks, benötigten aber sieben Minuten Aufwand, während der KI-Arbeitsablauf nur 45 Sekunden in Anspruch nehme.

Niemand weiß, was der KI-Agent kosten wird

Die BBC, die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt des Vereinigten Königreichs, berichtet währenddessen, dass die Bezahlung agentischer KI-Dienste erhebliche Kopfschmerzen bereitet. Tokens als Verrechnungseinheit lieferten unberechenbare Mengen, da selbst identische Prompts abweichende Antworten erzeugten. Auch große Organisationen würden von ihren Kosten oft erst über die Rechnung informiert – siehe jüngstens Uber, Amazon und das Pentagon.

Zwar falle momentan der Token-Einzelpreis, doch der Verbrauch klettere bis 2030 wohl auf das 24-Fache: Auf 120 Billiarden Token im Monat. Zudem stünden die KI-Anbieter unter dem Druck ihrer Investoren, Gewinne zu generieren. Wie sich diese Kostenexplosion an Endkunden weitergeben ließen, sei momentan noch völlig offen.

8.000 Hektar Gaskraftwerk

Dass die neue Intelligenz viel Strom braucht, ist längst bekannt. Dabei ist Gas nach wie vor eine willkommene Energiequelle: So finanziert aktuell der Onlineriese Amazon in West-Texas ein Gaskraftwerk, das seine KI-Rechenzentren versorgen soll, berichtet die Frankfurter Rundschau.

Die von einem weltweiten Energieinfrastruktur-Unternehmen auf einer Fläche von über 8.000 Hektar entwickelte „GW Ranch“ soll mit 35 Turbinen bis zu 7,65 Gigawatt liefern und damit mehr als jedes bestehende Gaskraftwerk in den USA und genug für eine Großstadt. Amazon wolle die Kosten selbst tragen…

Mauro Stoffella, Medien- und Kommunikationsexperte

stol

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