Mehr Fälle von infektiöser Gastroenteritis in Südtirol
Die Hausärzte in Südtirol verzeichnen in diesem Sommer einen deutlichen Anstieg von Patienten mit einer infektiösen Gastroenteritis – umgangssprachlich auch als „Bauchgrippe“ bekannt. Darauf weist das Institut für Allgemeinmedizin und Public Health Bozen hin.„In diesen Wochen beobachten wir in unseren Ordinationen einen deutlichen Anstieg von Patientinnen und Patienten mit einer infektiösen Gastroenteritis“, erklärt der wissenschaftliche Leiter des Instituts für Allgemeinmedizin und Public Health Bozen, Dr. Giuliano Piccoliori.
Flüssigkeitsverlust ausgleichen
Nach Angaben des Mediziners heilt die Erkrankung in den meisten Fällen innerhalb von zwei bis sieben Tagen von selbst ab. Die größte Gefahr sei jedoch der Flüssigkeitsverlust, insbesondere für Kleinkinder, ältere Menschen sowie Personen mit geschwächtem Immunsystem oder chronischen Erkrankungen.„Das wichtigste Ziel ist es, einer Dehydrierung vorzubeugen“, betont Piccoliori. Empfohlen wird, regelmäßig kleine Mengen Wasser, ungesüßten Tee oder klare Brühe zu trinken. Bei starkem Durchfall können orale Rehydratationslösungen helfen, neben Flüssigkeit auch Mineralstoffe zu ersetzen. Gerade bei Übelkeit oder Erbrechen sei es sinnvoll, häufig kleine Schlucke zu trinken.
Leichte Kost statt Nulldiät
Entgegen einer weit verbreiteten Annahme müsse bei einer Magen-Darm-Infektion nicht vollständig auf Nahrung verzichtet werden. Sobald sich die Beschwerden bessern, sollte schrittweise wieder leichte Kost gegessen werden. Geeignet sind unter anderem Reis, Kartoffeln, Zwieback, geröstetes Brot, gekochter Fisch sowie Hühner- oder Truthahnfleisch.Verzichtet werden sollte hingegen auf Alkohol, Kaffee, Milch und Milchprodukte, Gemüse und Obst – mit Ausnahme von Bananen – sowie auf stark gewürzte, frittierte oder sehr fettreiche Speisen. Bei Fieber oder Schmerzen kann nach ärztlicher Rücksprache Paracetamol eingenommen werden.
Antibiotika nur in Ausnahmefällen
Da die meisten Magen-Darm-Infektionen viral bedingt sind, sind Antibiotika laut Piccoliori in der Regel nicht erforderlich. Sie sollten ausschließlich nach ärztlicher Anweisung eingesetzt werden, wenn eine bakterielle Infektion nachgewiesen wurde und die Beschwerden besonders schwer sind.Auch Medikamente, die den Durchfall stoppen, werden in den meisten Fällen nicht empfohlen – vor allem nicht bei hohem Fieber oder Blut im Stuhl. Sie können die Ausscheidung der Erreger verzögern.
Wann ein Arztbesuch notwendig ist
Ärztlicher Rat ist laut Institut erforderlich, wenn Anzeichen einer Austrocknung wie starker Durst, Schwindel oder eine deutlich verminderte Urinausscheidung auftreten. Ebenso sollte ein Arzt aufgesucht werden bei Blut im Stuhl, hohem Fieber, anhaltendem Erbrechen, Beschwerden, die länger als fünf bis sieben Tage dauern oder sich verschlimmern, sowie bei einer Erkrankung von älteren Menschen, Schwangeren oder Personen mit geschwächtem Immunsystem.So lässt sich das Ansteckungsrisiko senken
Da infektiöse Magen-Darm-Erkrankungen hochansteckend sind, empfehlen die Experten einfache Hygienemaßnahmen
Hände regelmäßig und gründlich mit Wasser und Seife waschen – besonders nach dem Toilettengang sowie vor dem Kochen und Essen.
Handtücher, Besteck und Trinkgläser nicht gemeinsam benutzen.
Oberflächen, die mit Erbrochenem oder Durchfall in Kontakt gekommen sind, gründlich reinigen und desinfizieren.
Nach dem Abklingen von Durchfall und Erbrechen mindestens 48 Stunden zu Hause bleiben, um andere Menschen nicht anzustecken.


