Montag, 18. Mai 2026

Die Familien machen Druck auf die Landespolitik

Eltern, Kinder, Großeltern und weitere Unterstützerinnen und Unterstützer aus ganz Südtirol: Etwa 350 Menschen haben sich am Samstag vor dem Landtag versammelt, um gegen eine aus ihrer Sicht unzureichende Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu protestieren. Die Botschaft an die Politik ist klar: „Familien können so nicht weitermachen. Tut endlich was“, heißt es in einer Aussendung der Initiatorinnen.

Am Samstag erschienen zahlreiche Familien zur Familiendemo auf dem Bozner Magnago-Platz – also direkt vor dem Südtiroler Landtag. - Foto: © DLife

Zur Demonstration aufgerufen hatten Christa Ladurner und Doris Albenberger von der Allianz für Familie sowie Ingrid Kapeller vom Forum Prävention, die Wissenschaftlerin und Autorin Barbara Plagg und Heidi Flarer vom Arbeitsförderungsinstitut AFI. In einer Stellungnahme teilen die Organisatorinnen ihre Forderungen mit.

„Es reicht. Wir wollen ein Zeichen setzen“, sagte Doris Albenberger von der Elterninitiative und Allianz für Familie. Im Interview sprach sie mit uns über Gründe und Erwartungen.

Seit Jahren verlange man eine kontinuierliche Kinderbetreuung, leistbare Verlängerungsangebote und eine gute Absicherung für Care-Arbeit. „Aber es wird nicht besser, es wird schlechter.“ Was die Erwerbstätigkeit von Müttern mit Kindern angehe, sei Südtirol italienweit auf den letzten Platz abgerutscht.

„Südtiroler Familien haben kein privates Organisationsproblem, sondern Südtirol ein politisches Infrastrukturproblem“, heißt es weiter. „Während andere Länder und Regionen an Südtirol vorbeiziehen, diskutiert man hierzulande noch immer über Mutterrollen, Zuständigkeiten und angebliche Sachzwänge – nur nicht über das, worum es eigentlich geht: die Bedürfnisse von Kindern und ihren Eltern.“

Im offenen Brief fordern die Organisatorinnen einen kontinuierlichen Ganzjahreskindergarten. „Wer keine Betreuung braucht, muss sie nicht nutzen. Aber wer sie braucht, muss sich darauf verlassen können“, schreiben sie. Zudem brauche es eine verlässliche Zusammenarbeit zwischen Schule, Vereinen, Musikschulen und weiteren Betreuungspartnern.

„Ob ein Kind am Nachmittag gut betreut, gefördert und begleitet wird, darf nicht vom Geldbeutel, vom Fahrdienst oder vom Stundenplan der Eltern abhängen“, unterstreichen Plagg, Ladurner, Albenberger, Kapeller und Flarer. Ebenso klar ist die letzte Botschaft: Wer zu Hause bleibt und sich um die Familie kümmert, darf nicht draufzahlen – es brauche eine Ausweitung und einen Ausbau der regionalen Beiträge für Care-Arbeitende.

Diese Forderungen scheinen viele Südtiroler Familien zu teilen: Am Samstag waren sie zahlreich zur Familiendemo auf dem Bozner Magnago-Platz – also direkt vor dem Südtiroler Landtag – erschienen. Auf Anfrage der Sonntagszeitung „Zett“ hat Familienlandesrätin Rosmarie Pamer zu den Forderungen der Protestierenden Stellung genommen. „In Südtirol wird viel in Familienförderung, Kinderbetreuung und Unterstützungsmaßnahmen investiert“, erklärte sie.

„In den vergangenen Jahren wurde auch die Kleinkindbetreuung stark ausgebaut, ebenso die Sommer- und Nachmittagsbetreuung wurden schrittweise erweitert.“ Auch zum Thema Care-Arbeit äußerte sich Pamer: „Wir arbeiten an Maßnahmen zur besseren rentenmäßigen Absicherung von Erziehungs- und Pflegezeiten.“

stol

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