Freitag, 21. August 2026

„So eine Saison noch nie erlebt“: Gletscher in den Alpen schmelzen rapide

Die Gletscher der Alpen verlieren weiter rasant an Eis. Seit dem Jahr 2000 ist ihre Fläche um 39 Prozent zurückgegangen. Italienische Experten warnen vor einer dramatischen Entwicklung und beobachten Veränderungen, die sie in Jahrzehnten ihrer Forschung noch nicht erlebt haben.

Die Gletscher in den Alpen schmelzen rapide weiter. - Foto: © APA/THEMENBILD / BARBARA GINDL

„Gletscher wirken still und unbeweglich“, sagte die Alpenbeauftragte des italienischen Umweltschutzverbands Legambiente, Vanda Bonardo. Legambiente kontrolliert jeden Sommer die wichtigsten Alpengletscher. Regelmäßig fließe Schmelzwasser dort, wo noch vor kurzer Zeit Eis gewesen sei, gleichzeitig machten immer größere Spalten viele Wege gefährlich, warnte Bonardo laut Medienangaben.

Nach Angaben des World Glacier Monitoring Service sind seit 2000 weltweit durchschnittlich 273 Milliarden Tonnen Eis pro Jahr verloren gegangen. 2025 waren es bereits 408 Milliarden Tonnen. Legambiente erwartet, dass bis 2050 alle Alpengletscher unterhalb von 3500 Metern verschwunden sein könnten.

„Eine solche Saison habe ich noch nie erlebt“

Besonders dramatisch ist die Situation am Forni-Gletscher bei Bormio in der Region Lombardei. Der Glaziologe Claudio Smiraglia beobachtet ihn seit 65 Jahren. „Eine solche Saison habe ich in meiner gesamten Karriere noch nie erlebt“, sagte er. Der Gletscher sei inzwischen in mehrere Teile zerfallen und habe eine grau-schwarze Färbung angenommen.

Auch der Skitourismus bekommt die Folgen zu spüren. Am Stilfser Joch mussten die Anlagen für den Sommerskilauf wegen Schneemangels schließen. Davor war der Sommerskibetrieb auch am Matterhorn eingestellt worden.

Besonders ungewöhnlich ist die Wärme in großer Höhe. Den Angaben zufolge lag die Null-Grad-Grenze im Sommer häufig zwischen 4000 und 5000 Metern. Damit schmilzt selbst die Schneedecke, die die Gletscher eigentlich vor der sommerlichen Wärme schützen sollte.

apa

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