Montag, 2. März 2026

Iran-Krieg lässt Öl- und Erdgas-Preis nach oben schnellen

Der Großhandelspreis für Erdgas ist nach dem Angriff Israels und der USA auf den Iran kräftig gestiegen. Zum Handelsauftakt am Montag sprang die Notierung für den richtungweisenden Terminkontrakt TTF zur Auslieferung in einem Monat an der Börse in Amsterdam bis auf 39,85 Euro je Megawattstunde (MWh). Das sind etwa 25 Prozent mehr als am Freitag und der stärkste Preissprung seit August 2023. Auch die Ölpreise haben nach der Eskalation im Nahen Osten zunächst kräftig zugelegt, sind dann aber wieder etwas gesunken.

Rund ein Fünftel der globalen Öltransporte passiert täglich die Meerenge in der ölreichen Region am Persischen Golf. - Foto: © Shutterstock / shutterstock

Damit ist europäisches Erdgas so teuer wie zuletzt im Januar, als niedrige Temperaturen in weiten Teilen Europas und vergleichsweise niedrige Füllstände der Gasspeicher den Preis zeitweise über 40 Euro getrieben hatten. Im Februar waren die Notierungen wieder spürbar bis auf etwa 30 Euro je Mwh zurückgegangen. Wegen langfristiger Kontrakte dauert es üblicherweise eine Weile, bis Energieversorger Preisänderungen im Großhandel an Privatkunden weiterreichen.

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Weltweiter Energiehandel von Krieg betroffen

Am Wochenende hatten Israel und die USA den Iran angegriffen und dabei unter anderem das Staatsoberhaupt und den Religionsführer des Landes Ajatollah Ali Chamenei getötet. Der Iran reagierte mit Gegenangriffen und schränkte außerdem den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus ein, eine der wichtigsten Engstellen des weltweiten Energiehandels.

Marktbeobachter sehen das Risiko weiterer Preisanstiege und halten Dimensionen wie beim Einmarsch Russlands in die Ukraine 2022 für möglich, falls der Konflikt länger andauert und weiter eskaliert. Zwar wird ein Großteil des Erdgases aus der Region am Persischen Golf nach Asien geliefert. Eine Unterbrechung der Lieferungen von Flüssiggas durch die Straße von Hormus dürfte aber den Wettbewerb um alternative Bezugsquellen verschärfen und die Preise weltweit, auch in Europa, in die Höhe treiben.

Straße von Hormus im Blickpunkt

In Europa sind die Gasvorräte nach dem Winter vergleichsweise niedrig, und die Region muss in diesem Sommer große Mengen an Flüssiggas importieren, um sie vor dem nächsten Winter wieder aufzufüllen.

Analysten der US-Investmentbank Goldman Sachs schließen einen weiteren Anstieg des Gaspreises nicht aus. Sollte der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus für einen Monat eingestellt werden, könnten sich der europäische Gaspreis nach Einschätzung von Goldman Sachs mehr als verdoppeln.

Ölpreise stiegen wegen Iran-Krieg deutlich an

Die Ölpreise haben nach der Eskalation im Nahen Osten zunächst kräftig zugelegt, sind dann aber wieder etwas gesunken. In der Nacht auf Montag stiegen die Notierungen für Brent-Öl aus der Nordsee und Rohöl aus den USA in den ersten Handelsminuten um jeweils mehr als zehn Prozent. Dabei erreichte die Nordseesorte Brent-Öl in der Spitze bei 82,37 US-Dollar (69,78 Euro) je Barrel (159 Liter) den höchsten Stand seit Juli 2024.

Die Sorte West Texas Intermediate (WTI) kam mit 75,33 Dollar auf den höchsten Stand seit Juni 2025. Zuletzt lag der Preis je Barrel der Sorte Brent zur Lieferung im April nur noch um gut 5 Dollar oder etwa 7,5 Prozent höher bei 78,05 Dollar. Der Preis für WTI legte um mehr als 4 Dollar auf 71,52 Dollar zu.


Rund ein Fünftel der globalen Öltransporte passiert täglich die Meerenge in der ölreichen Region am Persischen Golf. Jede Störung kann die Energiepreise steigen lassen und die internationalen Märkte verunsichern. Die Staaten des Ölverbunds OPEC+, in dem neben Staaten der OPEC auch andere wichtige Förderstaaten wie Russland organisiert sind, hatten am Sonntag auf einem planmäßigen Treffen beschlossen, die Tagesproduktion zu erhöhen, um Engpässe und zu starke Preisanstiege zu verhindern.

Insgesamt will die OPEC+ die Tagesproduktion um 206.000 Barrel steigern, wie der Verbund nach einer Online-Sitzung mitteilte. Den jüngsten Krieg im Nahen und Mittleren Osten erwähnte die Gruppe jedoch mit keinem Wort. Stattdessen wurde die Produktionserhöhung mit dem stabilen Ausblick für die globale Wirtschaftsentwicklung und niedrigen Ölvorräten erklärt.

Nach Einschätzung von Analysten der Deutschen Bank werden das Ausmaß und das Tempo der Eskalation der Lage im Nahen Osten in den kommenden Tagen von einer Vielzahl von Faktoren bestimmt. Unter anderem könnten die höheren Ölpreise „eine Deeskalationsdynamik auslösen“.

Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, geht davon aus, dass der Preis für Brent-Öl aus der Nordsee im Fall einer längeren Schließung der Straße von Hormuz weiter in Richtung der Marke von 100 Dollar steigen könnte. „Bliebe der Ölpreis mehrere Monate so hoch, würde das die Inflation im Euroraum rechnerisch um mehr als einen Prozentpunkt erhöhen und das Wirtschaftswachstum um einige zehntel Prozentpunkte senken“, sagte Krämer.

stol

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