Donnerstag, 23. Juli 2026

Mehr Schwangerschaftsabbrüche und Fehlgeburten in Südtirol

Im Jahr 2025 sind in Südtirol sowohl die freiwilligen Schwangerschaftsabbrüche als auch die Fehlgeburten deutlich angestiegen: Die Zahl der freiwilligen Schwangerschaftsabbrüche in Südtirol um 13,3 Prozent, jene der Fehlgeburten um 18,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das geht aus den Daten des Landesinstituts für Statistik (ASTAT) hervor.

Die meisten Frauen, die einen freiwilligen Schwangerschaftsabbruch vornehmen ließen, sind unter 30 Jahre alt. - Foto: © shutterstock

Freiwillige Schwangerschaftsabbrüche

Insgesamt wurden 595 freiwillige Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt – ein Plus von 13,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Abbruchziffer lag bei 5,5 Eingriffen je 1.000 Frauen im gebärfähigen Alter.

Die Eingriffe erfolgten überwiegend in einem frühen Stadium der Schwangerschaft: 56,6 Prozent wurden bis zur achten Schwangerschaftswoche vorgenommen, weitere 22 Prozent in der neunten oder zehnten Woche. In 96,6 Prozent der Fälle verlief der Schwangerschaftsabbruch ohne Komplikationen.

57,9 Prozent der Gynäkologinnen und Gynäkologen an jenen Krankenhäusern, in denen Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt werden, verweigerten den Eingriff aus Gewissensgründen. Bezieht man alle Südtiroler Krankenhäuser ein, liegt ihr Anteil bei 50,6 Prozent.

Da seit 2025 auch in zwei weiteren Südtiroler Krankenhäusern Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt werden, sind die Zahlen der Gewissensverweigerinnen und -verweigerer nicht direkt mit jenen der Vorjahre vergleichbar. Auf gesamtstaatlicher Ebene lag ihr Anteil zuletzt bei 57,1 Prozent (Stand 2023).

Medikamentöse Abbrüche auf dem Vormarsch

Auch 2025 überwogen die medikamentösen Schwangerschaftsabbrüche: 54,5 Prozent aller Eingriffe wurden auf diese Weise durchgeführt. In der Regel erfolgt dabei die Verabreichung von zwei Medikamenten – eines mit dem Wirkstoff Mifepriston, das andere mit dem Wirkstoff Prostaglandin. In 93,1 Prozent der Fälle wurde der Schwangerschaftsabbruch ambulant oder in einer Tagesklinik vorgenommen, der Aufenthalt dauerte weniger als 24 Stunden.

Der verstärkte Einsatz der medikamentösen Methode führte zu einem Rückgang der operativen Schwangerschaftsabbrüche, die mit einer Vollnarkose und einem Krankenhausaufenthalt verbunden sind. Ihr Anteil lag 2025 bei 34,8 Prozent.

Die Bewilligung für den Schwangerschaftsabbruch wurde in den meisten Fällen vom gynäkologischen Dienst eines Krankenhauses ausgestellt (85,8 Prozent). Deutlich seltener erfolgte sie durch den Hausarzt oder die Hausärztin (9,4 Prozent) beziehungsweise durch eine Familienberatungsstelle (2,9 Prozent).

Auch die Wartezeiten waren kurz: 80 Prozent der Schwangerschaftsabbrüche wurden innerhalb von 14 Tagen nach Ausstellung der Bewilligung durchgeführt, in 92,3 Prozent der Fälle innerhalb von höchstens drei Wochen. Der Großteil der Eingriffe verlief ohne Komplikationen (96,6 Prozent).

Alter und Herkunft der Frauen

Die meisten Frauen, die 2025 einen freiwilligen Schwangerschaftsabbruch vornehmen ließen, waren zwischen 18 und 29 Jahre alt (45,8 Prozent). Weitere 42,6 Prozent gehörten der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen an. 9,6 Prozent der Betroffenen waren 40 Jahre oder älter, während Minderjährige lediglich 2,0 Prozent ausmachten.

Zum Zeitpunkt des Schwangerschaftsabbruchs waren Frauen mit italienischer Staatsbürgerschaft durchschnittlich 29,9 Jahre alt, Frauen mit ausländischer Staatsbürgerschaft im Durchschnitt 30,4 Jahre.

Die Daten zeigen, dass Frauen mit ausländischer Staatsbürgerschaft ihre Schwangerschaft rund dreieinhalbmal häufiger freiwillig beendeten als Frauen mit italienischer Staatsbürgerschaft. Sie lag bei 13,9 gegenüber 4,0 Schwangerschaftsabbrüchen je 1.000 Frauen im gebärfähigen Alter. Insgesamt entfielen 2025 38,7 Prozent aller freiwilligen Schwangerschaftsabbrüche auf Frauen mit ausländischer Staatsbürgerschaft.

24 Prozent hatten bereits einen Abbruch

Die Frauen, die 2025 in Südtirol einen gesetzlich erlaubten Schwangerschaftsabbruch vornehmen ließen, waren überwiegend ledig (65,9 Prozent). 32,1 Prozent waren verheiratet oder lebten in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft, 2,0 Prozent waren getrennt, verwitwet oder geschieden.

Zum Zeitpunkt des Schwangerschaftsabbruchs waren 46,2 Prozent der Frauen kinderlos, 18,0 Prozent hatten bereits ein Kind und 35,8 Prozent mehr als ein Kind. Knapp jede vierte Frau (24,0 Prozent) gab an, bereits zuvor mindestens einen freiwilligen Schwangerschaftsabbruch gehabt zu haben. 18,2 Prozent hatten vor dem Eingriff bereits mindestens eine Fehlgeburt erlebt.

Der Anteil der Frauen mit einem wiederholten freiwilligen Schwangerschaftsabbruch lag bei Frauen mit ausländischer Staatsbürgerschaft bei 30,9 Prozent und damit deutlich höher als bei Frauen mit italienischer Staatsbürgerschaft (19,7 Prozent).

Fehlgeburten

Auch die Zahl der Fehlgeburten nahm deutlich zu. Im Jahr 2025 wurden in Südtirol 384 Fehlgeburten registriert, die eine Aufnahme in ein öffentliches Krankenhaus erforderlich machten. Das entspricht einem Anstieg von 18,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Fehlgeburtenziffer lag bei 3,6 Fällen je 1.000 Frauen im gebärfähigen Alter.

Das Durchschnittsalter der betroffenen Frauen betrug 32,9 Jahre. Zwei Drittel der Fehlgeburten ereigneten sich innerhalb der ersten zehn Schwangerschaftswochen. In knapp 80 Prozent der Fälle war lediglich ein eintägiger Krankenhausaufenthalt notwendig. Bei 46,6 Prozent der Patientinnen wurde eine Ausschabung durchgeführt, in 72,7 Prozent der Fälle kam eine Vollnarkose zum Einsatz.

stol/vs

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