Das Epizentrum lag im Gebiet der vulkanisch hochaktiven Phlegräischen Felder westlich von Neapel. Seither registrierten die Messstationen rund 60 weitere Erdstöße, die meisten davon von geringer Stärke. Die stärkste Nachbebenserie erreichte nach Angaben des Italienischen Instituts für Geophysik und Vulkanologie (INGV) eine Magnitude von 3,1. Die Beben waren am frühen Samstagmorgen erneut deutlich in Pozzuoli, Bacoli und mehreren Stadtteilen Neapels zu spüren.
Die schwersten Schäden wurden aus der Hafenstadt Pozzuoli gemeldet. Dort stürzte ein Teil einer Hauswand ein. Große Tuffsteinblöcke fielen auf parkende Autos und beschädigten mehrere Fahrzeuge.
Videoaufnahmen des Vorfalls wurden in den Sozialen Medien verbreitet. Einsatzkräfte kontrollierten zahlreiche Gebäude auf mögliche Schäden, während viele Bewohner die Nacht aus Sorge vor weiteren Erdstößen im Freien verbrachten. Die Behörden verteilten Trinkwasser und Hilfsgüter. Die meisten Verletzten wurden im Krankenhaus von Pozzuoli behandelt. Bis auf die beiden Schwerverletzten erlitten alle anderen leichtere Verletzungen.
Die Hafenbehörde sperrte den Kai des Hafens von Pozzuoli wegen Sicherheitsbedenken. Der Fähr- und Schnellbootverkehr zu den Inseln Ischia und Procida wurde eingestellt. Auch der Bahnverkehr rund um Neapel wurde vorübergehend unterbrochen, darunter die Hochgeschwindigkeitsstrecken.
Nach nächtlichen Sicherheitskontrollen wurde der Zugverkehr wieder aufgenommen. Es kam jedoch zu Verspätungen von mehr als sechs Stunden. Zudem blieb die Bahnlinie Circumflegrea wegen eines eingestürzten Mauerteils vorerst gesperrt.
Laut den Behörden verursachte das Erdbeben außerdem den teilweisen Einsturz eines Hochspannungsmasts im Stadtteil Agnano. Zeitweise waren rund 100.000 Stromanschlüsse betroffen, die Versorgung konnte im Laufe der Nacht schrittweise wiederhergestellt werden.
Die Phlegräischen Felder – ein Gebiet mit hoher vulkanischer Aktivität – werden seit geraumer Zeit von zahlreichen kleinen sowie teils auch stärkeren Erdbeben heimgesucht. Sie sind Europas größter aktiver Supervulkan. Supervulkane zeichnen sich durch eine besonders große Magmakammer aus: Anders als normale Vulkane explodieren Supervulkane regelrecht.
In Neapel und der näheren Umgebung leben etwa drei Millionen Menschen. Die Großstadt liegt am Fuße des Vulkans Vesuv, der mit den Phlegräischen Feldern keine Verbindung hat.


