Sonntag, 12. Juli 2026

Südtirols Hitzeschutz: Viel heiße Luft auf heißem Beton

„Bis auf das Unkraut zwischen den Pflastersteinen bieten viele Plätze kaum Grün, kaum Schatten und taugen eher als Herdplatte statt Rückzugsort.“ Ein Kommentar von „Dolomiten“-Redakteur Josef Bertignoll.

Josef Bertignoll: „Wie man es richtig macht, zeigt ein Blick über den Brenner ins kühle Innsbruck.“

Wer dieser Tage den Fuß vor die Tür setzt, hat das Gefühl, im Backofen zu braten. Die dritte Hitzewelle rollt bereits übers Land und wir haben erst Anfang Juli. Während der Klimawandel uns verlässlich heißere Sommer, extremere Temperaturen und eine steigende Übersterblichkeit bescheren wird, fällt die Reaktion darauf in Südtirol mau aus. Beim Hitzeschutz ist bislang nur viel heiße Luft dabei.

Der „Klimaplan 2040“ schwärmt auf Papier zwar von Entsiegelung und Kühlschneisen, doch in der Praxis rollt oft der nächste Betonmischer an. Viele Plätze im Land, eigentlich Orte zum Verweilen, verwandeln sich im Sommer in Orte zum Vermeiden. Bis auf das Unkraut zwischen den Pflastersteinen bieten viele Plätze kaum Grün, kaum Schatten und taugen eher als Herdplatte statt Rückzugsort. Selbst einfache Maßnahmen wie Nebelduschen und Wasserfontänen bleiben bislang Mangelware. Anstatt die Plätze im Eiltempo an die Klimarealität anzupassen, werden bis heute munter weitere steinige Krater in die Landschaft betoniert. Man denke nur an das jüngste architektonische Meisterwerk: den neuen Leiferer Rathausplatz.

Hitzeschutz endet nicht bei schattigen Plätzen und Bäumen.
Josef Bertignoll


Doch Hitzeschutz endet nicht bei schattigen Plätzen und Bäumen – ebenso entscheidend ist ein professionelles Hitzemanagement. Doch auch hier hinkt Südtirol hinterher. Zwar gibt es behördliche Hitzewarnungen und Infokampagnen, doch Anpassungen der Arbeitszeiten bei extremer Hitze fehlen genauso wie klimatisierte Kühlräume für vulnerable Gruppen. Die Stadt Bozen versucht sich zwar mit der Initiative „Sommerfrische in der Stadt“ an Schadensbegrenzung. Was nützt aber ein Abkühlangebot, das erst Anfang Juli seine Pforten öffnet, wenn bereits zwei Hitzewellen das Land weichgekocht haben?

Wie man es richtig macht, zeigt ein Blick über den Brenner ins kühle Innsbruck. Die Nordtiroler Nachbarn haben seit geraumer Zeit einen Hitzeaktionsplan: mit koordinierten „Cooling Zones“ als gekühlten Rückzugsorten, mit Sprühnebelanlagen und mobilen Schattenspendern. Maßnahmen also, die weder revolutionär noch unbezahlbar sind. Sollte doch eigentlich auch im Budget des stolzen Südtiroler Rekordhaushalts von 11 Milliarden Euro drin sein.

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stol

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