Donnerstag, 17. September 2026

Heftige Gefechte nahe Meerenge Bab al-Mandab im Jemen

Die Kämpfe zwischen Houthi-Rebellen und der international anerkannten Regierung im Jemen gehen unvermindert weiter. Wie die dpa aus Militärkreisen im Umfeld der Regierungstruppen erfuhr, konzentrierten sich die Gefechte seit der Nacht auf den Westen der Provinz Taiz, nahe der Meerenge Bab al-Mandab. Die bergige Provinz ist von strategischer Bedeutung für die Beherrschung der Küste, die von den Houthi-Rebellen kürzlich erobert wurde.

Die Gefechte in der Region gehen unvermindert weiter. - Foto: © APA/AFP / AHMAD AL-BASHA

Demnach gelang es der Regierung - unter anderem mit Hilfe von Luftschlägen - das Vorrücken der Houthi an zwei Fronten zu verhindern. Dabei seien Dutzende Rebellen getötet oder verwundet worden. Eine Houthi-Drohne sei nahe der Meerenge abgeschossen worden, hieß es weiter.

Houthi-Medien berichteten von Luftangriffen durch saudische Kampfflugzeuge in den Provinzen Taiz und Hajjha. Demnach wurden unter anderem Sendemasten angegriffen. Die Angaben beider Seiten konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden.

In Saudi-Arabien töteten unterdessen Trümmerteile einer abgeschossenen Houthi-Drohne einen Menschen. Die herabfallenden Trümmer hätten in der Region Taif östlich von Mekka „zu einem Todesopfer, zwei Verletzten sowie Sachschäden an mehreren Gebäuden und Fahrzeugen“ geführt, erklärte die saudi-arabische Zivilschutzbehörde am Donnerstag. Bei dem Toten handelte es sich demnach um einen Jemeniten. Verletzt wurden ein Pakistaner und eine Frau aus Saudi-Arabien.

In der Region Taiz im Jemen mussten nach Schätzungen der Regierung 67.000 Menschen wegen der Kämpfe aus ihren Häusern fliehen. Insgesamt wird von mehr als 125.000 Menschen ausgegangen, die seit Beginn des Monats durch die Kämpfe in die Flucht getrieben wurden.

Die mit dem Iran verbündete Houthi-Miliz hatte in einer Blitzoffensive in der vergangenen Woche die gesamte Westküste des Jemen unter ihre Kontrolle gebracht und strategisch gelegene Inseln erobert. Sie hat damit praktisch uneingeschränkten Zugriff auf die Meerenge Bab al-Mandab, die das Rote Meer mit dem Golf von Aden verbindet. Durch diesen Wasserweg führt die wichtigste Schifffahrtsroute zwischen Europa und Asien.

Das UNO-Kinderhilfswerk UNICEF warnte unterdessen am Donnerstag, dass die erneuten Kampfhandlungen im Jemen besonders für Kinder „eine ohnehin bereits schwere humanitäre Krise weiter verschärfen“. Mehr als 104.000 Menschen, darunter über 57.000 Kinder, seien innerhalb von nur zwei Wochen vertrieben worden, so UNICEF Österreich in einer Aussendung. Seit 3. September seien mindestens neun Kinder als getötet und zwölf als verletzt gemeldet worden. Drei weitere Kinder würden nach einem Angriff auf der Straße von der Westküste des Jemen nach Aden als vermisst gelten.

Die Kämpfe im westlichen Taiz, im südlichen Hudaydah, in Marib und anderen betroffenen Gebieten „schneiden Kinder von lebenswichtigen Dienstleistungen ab“, schreibt UNICEF: „In 26 von UNICEF unterstützten Gesundheitseinrichtungen wurden die Leistungen eingeschränkt oder unterbrochen. Gleichzeitig wurden 243 Schulen geschlossen oder der Unterricht ausgesetzt, wodurch mehr als 137.000 Schülerinnen und Schüler betroffen sind.“

„Für Kinder, die bereits Jahre von Hunger, Vertreibung und unterbrochenem Schulunterricht erlebt haben, zerstört die jüngste Gewalt auch noch den letzten Rest an Stabilität, der ihnen geblieben war“, beklagte Edouard Beigbeder, UNICEF-Regionaldirektor für den Nahen Osten und Nordafrika.

Bereits vor der jüngsten Eskalation waren laut UNICEF schätzungsweise 12,2 Millionen Kinder im Jemen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Mehr als 2,2 Millionen Kinder unter fünf Jahren leiden demnach an akuter Mangelernährung, darunter über 515.000 Kinder mit schwerer akuter Mangelernährung. Gleichzeitig besuchen nach Angaben des UNO-Kinderhilfswerks 3,2 Millionen Kinder im schulpflichtigen Alter keine Schule.

UNICEF bekräftigte den Appell von UNO-Generalsekretär António Guterres an alle Konfliktparteien, die Zivilbevölkerung, einschließlich der Kinder, zu schützen, das humanitäre Völkerrecht einzuhalten und einen sicheren sowie ungehinderten humanitären Zugang zu ermöglichen, damit dringend benötigte Hilfe die betroffenen Gemeinden erreichen könne.

apa

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