Freitag, 4. September 2026

Salvini gerät in Italien unter Druck – Lega ringt um ihren Kurs

Italiens Vizepremier Matteo Salvini gerät politisch immer stärker unter Druck. Innerhalb seiner rechten Regierungspartei Lega wächst der Widerstand gegen seine Führung. Vor allem der traditionell starke norditalienische Flügel drängt auf Veränderungen, da der Einfluss der einzelnen Regionen in der Partei schwinde. Der norditalienische Flügel drängt auf einen Kurswechsel und auf eine Rückbesinnung auf die traditionell föderalistische Ausrichtung der Partei.

Italiens Vizepremier Matteo Salvini gerät politisch immer stärker unter Druck. - Foto: © ANSA / FABIO CIMAGLIA


Zugleich formiert sich unter ehemaligen Parteimitgliedern ein Komitee, das einen Parteitag erzwingen und eine neue Führung wählen will. Zu den wichtigsten Kritikern Salvinis gehören die Präsidenten der Lombardei und Friaul-Julisch Venetiens, Attilio Fontana und Massimiliano Fedriga, sowie der Trentiner Landeshauptmann Maurizio Fugatti. Auch der frühere Präsident Venetiens, Luca Zaia, unterstützt die Forderung nach einer stärkeren Rolle des Nordens. Im Mittelpunkt steht die Kritik, Salvini habe die ursprüngliche Identität der Lega als Partei des wirtschaftlich starken Nordens zugunsten eines national ausgerichteten Kurses aufgegeben.

Mitsprache bei der politischen Ausrichtung gefordert

Die Kritiker verlangen unter anderem eine stärkere Mitsprache bei der politischen Ausrichtung und bei der Vorbereitung künftiger Wahllisten. Ein neu gegründetes „Komitee für die Einberufung eines Parteitags“ will darüber hinaus einen regulären Parteitag durchsetzen und die alte föderalistische Linie der Lega wiederbeleben.

Salvini versucht unterdessen, eine Spaltung der Partei zu verhindern. Er hat führende Vertreter des norditalienischen Flügels zu Gesprächen eingeladen. Nach bisherigen Überlegungen könnte innerhalb der Lega eine eigene „Vereinigung des Nordens“ entstehen. Parallel ist eine entsprechende Struktur für den Süden im Gespräch. Die Partei selbst soll jedoch geschlossen bleiben.

Politisch besonders brisant ist die mögliche Rolle von Finanzminister Giancarlo Giorgetti. Der langjährige Lega-Politiker gilt als Vertreter eines moderateren und stärker europäisch orientierten Kurses. Sollte er sich offen hinter die Forderungen des Nordens stellen, könnte dies das Kräfteverhältnis innerhalb der Partei deutlich verändern.

Salvini führt die Lega seit 2013 an

Der 53-jährige Salvini, der die Lega seit 2013 führt und zugleich Vizepremier und Infrastrukturminister ist, bemüht sich, die Auseinandersetzung herunterzuspielen. Für „Parallelparteien“ gebe es keinen Platz. Der Norden wie auch Mittel- und Süditalien würden keine politischen „Balanceakte“ wollen, sondern konkrete Antworten auf ihre Probleme. Ob der angestrebte Kompromiss die Spannungen entschärfen kann, ist offen.

Innerhalb der Lega wächst der Zeitdruck: Beim traditionellen Parteitreffen in Pontida am 20. September könnte der Konflikt offen zutage treten. Für Salvini geht es damit längst nicht mehr nur um interne Kritik, sondern um die Frage, welchen politischen Kurs die Lega künftig einschlagen wird. Die Zustimmung zur Lega ist laut jüngsten Umfragen auf rund sechs Prozent gefallen. Bei der Wahl 2019 hatte die Partei noch mehr als 34 Prozent erreicht.

apa

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