Am Freitagabend war zunächst von 15 Toten und 130 Verletzten die Rede gewesen. Unter den Verletzten waren viele Kinder. Selenskyj verurteilte diesen und weitere Angriffe in anderen Teilen des Landes. Er appellierte erneut an die Verbündeten, Abfangraketen für das Flugabwehrsystem Patriot zu liefern, damit das Land Leben schützen könne.
Infolge russischer Angriffe wurden am Samstag im Südosten der Ukraine mindestens drei Menschen getötet. Zudem seien 15 Menschen bei den Angriffen vor allem auf das Umland der Großstadt Saporischschja verletzt worden, teilte der Militärgouverneur des gleichnamigen Gebiets, Iwan Fedorow, bei Telegram mit. Es habe Angriffe mit ballistischen Raketen, Drohnen und Gleitbomben unter anderem auf Lagergebäude gegeben.
Russland griff in der Nacht auf Samstag erneut auch die ukrainische Hauptstadt Kiew an. Dabei sei mindestens ein Mensch getötet worden, es gebe auch Verletzte, teilten die Behörden mit. Ein Lager geriet demnach in Brand. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums wurde ein Eisenbahndepot mit Lokomotiven getroffen. Die Ukraine bestätigte den Angriff. Die ukrainische Flugabwehr hatte zuvor vor einem Angriff mit ballistischen Raketen gewarnt.
Bei einer Welle ukrainischer Drohnenangriffe auf Russland und russisch kontrollierte Gebiete wurden örtlichen Behörden zufolge mindestens sechs Zivilisten getötet. Die Angriffe in der Nacht auf Samstag trafen zudem ein Logistikzentrum des Online-Händlers Ozon sowie eine Industrieanlage in der Region Samara. Nach Angaben von Gouverneur Wjatscheslaw Fedorischtschew wurden mehrere Menschen verletzt. Das ukrainische Militär erklärte, es habe die Raffinerie in Nowokuibyschewsk getroffen und einen Brand ausgelöst.
Bei dem Treffer auf das Verteilzentrum von Ozon in Tschapajewsk handelte es sich um die erste Attacke auf den zweitgrößten Online-Händler Russlands. Die Arbeit dort ist dem Unternehmen zufolge nach dem Angriff vorübergehend eingestellt worden. In den vergangenen Wochen war der größere Konkurrent Wildberries bereits Ziel von Drohnenangriffen gewesen. Die Ukraine stellt diese Angriffe als Teil einer Kampagne gegen die wirtschaftliche Infrastruktur dar, die den russischen Krieg unterstützt.
Auch aus anderen Regionen wurden Opfer gemeldet. Im südrussischen Krasnodar kamen dem Gouverneur Weniamin Kondratjew zufolge zwei Kinder bei einem Angriff auf die Hafenstadt Jeisk am Asowschen Meer ums Leben. Zudem sei im dortigen Hafen ein Feuer ausgebrochen. In der an die Ukraine grenzenden Region Belgorod wurden nach Angaben des dortigen Gouverneurs zwei Menschen getötet und 13 weitere verletzt. In der Grenzregion Brjansk gab es vier Verletzte.
Aus der fast vollständig von Russland kontrollierten ostukrainischen Region Luhansk meldete der von Moskau eingesetzte Gouverneur Leonid Passetschnik zwei tote Zivilisten, darunter einen 16-Jährigen. Zudem gebe es neun Verletzte. Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, die Luftabwehr habe in der Nacht insgesamt 457 ukrainische Drohnen abgeschossen.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj dankte seinen Streitkräften für die „hervorragende Arbeit“ in Russland. Die neuen Treffer im Gebiet Samara „schränken weiterhin das militärisch-wirtschaftliche Potenzial Russlands ein und lassen den Krieg im Aggressorland spürbarer werden“, sagte er. Russland nehme durch seinen Ölexport Millionen für die Kriegsmaschinerie ein.
Zugleich berichtete Selenskyj, dass Ergebnisse früherer ukrainischer Angriffe nun bestätigt seien. So seien auf dem russischen Militärflugplatz Saki auf der von Moskau schon 2014 annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim ein Kampfjet und vier Fahrzeuge zerstört worden. In der russischen Region Brjansk seien Stationen zur Steuerung von Drohnen für Angriffe auf ukrainische Städte und Dörfer ausgeschaltet worden.


