Dienstag, 14. Juli 2026

Weg für Burnham ins britische Premiersamt frei

Der Labour-Abgeordnete Andy Burnham kann im Schnellverfahren neuer britischer Premierminister werden: Nach dem zweiten Tag von Nominierungen aus dem Kreise der Unterhausabgeordneten stehen am Montag 349 der 404 Labour-Mandatare hinter Burnham. Damit ist rein rechnerisch keine Gegenkandidatur mehr möglich, wodurch auch eine Urabstimmung der Labour-Mitglieder entfällt. Burnham dürfte nun bei einem Sonderparteitag am Freitag offiziell als Premiersanwärter designiert werden.

Neuer Unterhausabgeordneter könnte schon am Montag Premier sein. - Foto: © APA/AFP / OLI SCARFF

Die Nominierungsphase geht offiziell noch bis zum 16. Juli. Abgeordnete, die sich ins Rennen um den Parteivorsitz bringen wollen, brauchen die Unterstützung von mindestens 20 Prozent der Labour-Abgeordneten - das sind 81 - sowie die Nominierung aus einzelnen Ortsverbänden und Gewerkschaften. Bei Burnham steht letzteres noch aus, was aber nur eine Formsache ist.

Die Amtsübergabe durch den scheidenden Premier Keir Starmer ist für Montag vorgesehen. Der frühere Bürgermeister von Starmer hätte es somit im dritten Anlauf an die Labour-Spitze geschafft. Im Jahr 2010 verlor er gegen Ed Miliband, fünf Jahre später gegen Jeremy Corbyn.

Bereits im Vorfeld der Nominierungsphase war erwartet worden, dass Burnham der einzige Kandidat bleiben würde. Sein prominentester Rivale, Ex-Gesundheitsminister Wes Streeting, zog sich nach dem Einzug Burnhams ins Parlament aus dem Rennen zurück. Burnham hatte vor wenigen Wochen einen Sieg bei der Nachwahl in Makerfield nahe Manchester errungen und damit den Sprung ins Parlament geschafft. Wenige Tage danach kündigte Starmer seinen Rücktritt an.

Am vergangenen Mittwoch erklärte auch der frühere Verteidigungsstaatssekretär Al Carns, nicht um den Parteivorsitz kandidieren zu wollen. Auch er wurde zuletzt als möglicher Konkurrent gehandelt und schloss eine Kandidatur bis vor Kurzem nicht gänzlich aus.

Starmer war 2024 durch einen Erdrutschsieg seiner sozialdemokratischen Labour Party ins Amt des Premierministers gekommen, hatte aber schnell an Beliebtheit eingebüßt. Es begann im Sommer 2024 mit Plänen zur Streichung des Heizkostenzuschusses für ältere Bürger, nach einem Proteststurm musste Starmer zurückrudern. Im September 2025 trat seine Stellvertreterin Angela Rayner zurück, weil sie eine Immobiliensteuer nicht in voller Höhe entrichtet hatte. Im selben Monat musste der Regierungschef das langjährige Labour-Schwergewicht Peter Mandelson als Botschafter aus Washington abberufen - Starmer hatte ihn ernannt, obwohl dessen enge Verbindung zum US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein bekannt war.

Bei den Regional- und Kommunalwahlen im Mai in England und Wales hatte Labour eine schwere Niederlage hinnehmen müssen und stand seitdem noch mehr unter Druck - vor allem angesichts der Erfolge der rechtspopulistischen Anti-Migranten-Partei Reform UK. Seither verstummten die Rufe nach einem Rücktritt Starmers auch in den eigenen Reihen nicht mehr: Ihm wurde nicht mehr zugetraut, das Ruder noch herumreißen zu können.

Während Starmers Umfragewerte nach den Regional- und Kommunalwahlen weiter abstürzten, gilt Burnham als einer der beliebtesten Politiker des Landes und als Hoffnungsträger für Labour. Seine Parteigenossen hoffen, dass er Wählerstimmen für die Sozialdemokraten von Reform UK zurückholen kann.

Die nächste Parlamentswahl wird zwar erst 2029 erwartet. Doch in landesweiten Umfragen liegt die rechtspopulistische Reform UK von Brexit-Befürworter Farage derzeit deutlich in Führung. Labour und die konservativen Tories liegen jeweils dahinter.

apa

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