Für Robin fällt die Veröffentlichung zeitlich mit der Ablehnung eines Landtagsantrags zur Einrichtung einer eigenen Südtiroler Energiebehörde zusammen. Der Verein sieht darin die Bestätigung einer Entwicklung, die er seit Jahren kritisiert und in seinem Dossier „Südtiroler Strommarkt und Preise“ dokumentiert.
„Haushalte und Betriebe zahlen deutlich mehr“
Robin verweist auf jene Kennzahlen aus dem Arera-Bericht, die aus Sicht des Vereins die tatsächliche Belastung für Verbraucher und Unternehmen widerspiegeln:
Die Zahlen
Strom für Haushalte kostet in Italien 13 Prozent mehr als im Durchschnitt der Eurozone.
Für Betriebe liegen die Strompreise 24,1 Prozent über dem EU-Durchschnitt.
Auch Haushaltsgas ist mit sieben Prozent über dem Durchschnitt des Euroraums.
Der durchschnittliche Großhandelspreis (PUN) lag 2025 bei 115,9 Euro pro Megawattstunde und damit höher als an den großen europäischen Strombörsen etwa in Frankreich oder Spanien.
Rund 80 Prozent der privaten Stromkunden befinden sich inzwischen im freien Markt. Laut Arera werde dort häufig nicht das günstigste Angebot, sondern die bekannteste Marke gewählt.
Beim Gas zahlen Haushalte im freien Markt 112,4 Cent pro Kubikmeter, gegenüber 93,5 Cent für schutzbedürftige Kunden im regulierten Markt – ein Unterschied von fast 20 Prozent.
Nach Ansicht von Robin bestätigen diese Zahlen frühere Analysen und Medieninformationen des Vereins – unter anderem zu steigenden Strompreisen, Fix- und PUN-Tarifen sowie zur Preisentwicklung für schutzbedürftige Haushalte.
„Südtirol zahlt Gaspreise für Strom aus Wasserkraft“
Die hohen Strompreise träfen nach Angaben des Vereins auch Südtirol. Obwohl das Land dank seiner Wasserkraft mehr Strom produziere, als es selbst verbrauche, sei Südtirol vollständig in das nationale Strompreissystem eingebunden. Der Strompreis orientiere sich am teuersten verfügbaren Kraftwerk – in Italien meist an Gaskraftwerken.Robin argumentiert deshalb, Südtirol bezahle faktisch Gaspreise für Strom, der aus heimischer Wasserkraft erzeugt werde.
Kritik an Ablehnung einer eigenen Energiebehörde
Scharfe Kritik übt der Verein an der Entscheidung der Südtiroler Landtagsmehrheit, einen Beschlussantrag zur Einrichtung einer eigenen Energiebehörde und einer eigenen Strom-Gebotszone abzulehnen.Nach Ansicht von Robin wäre dies eine Möglichkeit gewesen, die heimische Wasserkraft stärker im Interesse der Bevölkerung zu nutzen und den Strompreis vom nationalen Gaspreis zu entkoppeln. Mit der Ablehnung seien die hohen italienischen Strompreise für Südtirol weiter zementiert worden.
Kritik auch an Arera
Neben den strukturellen Problemen kritisiert Robin auch die italienische Regulierungsbehörde Arera. Der neue Präsident Nicola Dell'Acqua räume im Jahresbericht selbst ein, dass viele Familien im freien Markt nicht das günstigste Angebot, sondern die bekannteste Marke wählen.Für Robin ist dies ein Hinweis darauf, dass Verbraucher nicht ausreichend verständlich informiert würden und deshalb häufig teurere Tarife abschlössen.
Die Forderungen des Vereins
Vor diesem Hintergrund erneuert Robin seine Forderungen
Die Stromautonomie konsequent nutzen und die Wasserkraft für stabile und günstigere Strompreise in Südtirol einzusetzen.
Den Strompreis durch langfristige Lieferverträge und den Ausbau erneuerbarer Energien stärker vom Gaspreis entkoppeln.
Eine ernsthafte Diskussion über eine eigene Südtiroler Energiebehörde beziehungsweise eine eigene Strom-Gebotszone führen.
Für mehr Transparenz und verständliche Verbraucherinformation sorgen.
Die Vorteile der Wasserkraft stärker der Allgemeinheit zugutekommen lassen.


