Der genaue Hergang des Unglücks in Osttirol ist derzeit noch unklar, da der überlebende Ehemann noch nicht polizeilich befragt werden konnte. Fest steht jedoch: Die Tragödie ereignete sich auf einem regulären Spazier- und Wanderweg, der durch ein offenes, nicht eingezäuntes Weidegebiet führte. Hier lesen Sie mehr.
„Zwischenfälle mit Kühen gibt es leider jedes Jahr, meistens zum Glück mit glimpflichem Ausgang. Der tragische Unfall in Osttirol hat leider sehr früh in der Saison vor Augen geführt, dass dennoch eine gewisse Gefahr besteht“, sagt Georg Unterberger, Leiter der Abteilung Hütten & Wege im Österreichischen Alpenverein und fügt hinzu: „Es gibt einige Verhaltensempfehlungen, anhand derer Bergsportler kritische Situationen weitgehend vermeiden können. Angst vor den Tieren müssen Wandernde keine haben, aber Respekt ist durchaus angebracht – besonders, wenn Hunde mit dabei sind.“
Um Wanderer, Spaziergänger und Familien für die potenziellen Gefahren zu sensibilisieren und solche Vorfälle künftig zu verhindern, hat der Österreichische Alpenverein (ÖAV) gemeinsam mit den Landwirtschafts- und Wirtschaftskammern zehn essenzielle Verhaltensempfehlungen für sichere Begegnungen mit Weidetieren erarbeitet:
- Kontakt zum Weidevieh vermeiden, Tiere nicht füttern, sicheren Abstand halten
- Ruhig verhalten, Weidevieh nicht erschrecken
- Mutterkühe beschützen ihre Kälber. Begegnung von Mutterkühen und Hunden vermeiden. „Besonders die Kälber verleiten oftmals zum Streicheln. Mutterkühe sehen die Annäherung aber möglicherweise als Bedrohung für ihren Nachwuchs und möchten ihn verteidigen. Deshalb besser von den Jungtieren Abstand nehmen“, betont t Georg Unterberger, Leiter der Abteilung Hütten und Wege im Österreichischen Alpenverein, denn eine Kuhherde sei generell nicht mit einem Streichelzoo zu verwechseln.
- Hunde immer unter Kontrolle halten und an der kurzen Leine führen. Ist ein Angriff durch ein Weidetier abzusehen: Sofort ableinen!
Hunde können von den Rindern als Bedrohung wahrgenommen werden. Deshalb zur Sicherheit an die Leine nehmen und nicht auf den Weiden auf Erkundungstour schicken. Frei lassen sollte man den Hund jedoch, wenn bereits Gefahr droht. Hunde können schneller fliehen – wenn sie beim Mensch bleiben, rückt dieser unfreiwillig auch in den Fokus.
- Wanderwege auf Almen und Weiden nach Möglichkeit nicht verlassen
- Wenn Weidevieh den Weg versperrt, mit möglichst großem Abstand umgehen
- Bei Herannahen von Weidevieh: Ruhig bleiben, nicht den Rücken zukehren, den Tieren ausweichen
- Schon bei ersten Anzeichen von Unruhe der Tiere Weidefläche zügig verlassen. Alarmsignale sind ein Senken des Kopfes sowie Scharren oder Brüllen. In einem solchen Fall Ruhe bewahren und die Weide mit Blick auf die Tiere verlassen.
- Zäune sind zu beachten! Falls es ein Tor gibt, dieses nutzen, danach wieder gut schließen und Weide zügig queren
- Begegnen Sie den hier arbeitenden Menschen, der Natur und den Tieren mit Respekt
Herdenarten verhalten sich unterschiedlich
Bei der Einschätzung des Risikos hilft es, auf die Herdenarten zu achten, die sich aufgrund ihrer Zusammensetzung unterschiedlich verhalten. Eine Mutterkuhherde besteht aus Muttertieren und ihren Kälbern. Die Mutterkühe haben einen ausgeprägten Schutzinstinkt und verteidigen impulsiv ihre Kälber. Sind auch Stiere dabei, ist besondere Vorsicht geboten. Die Jungtierherde wiederum ist vor allem übermütig, sehr bewegungsfreudig und neugierig.Die Tiere sind nicht aggressiv, aber durch ihren Übermut kann es rasch zu unkontrollierten Bewegungen kommen. Die klassische Milchkuh-Herde ist intensiven Kontakt zum Menschen gewöhnt, schließlich werden die Tiere täglich gemolken. Trotzdem wollen sie ungestört grasen und ihren Auslauf auf der Alm genießen.


