Schmerz und Bewegungseinschränkung gehören eng zusammen. Wer ausweicht, schont oder kompensiert, verändert unbewusst ganze Bewegungsmuster. Auf diese Weise kann aus einem akuten Problem ein dauerhaftes Ungleichgewicht entstehen – im Gewebe, in der Haltung und in der Bewegung selbst.
Moderne Medizin fragt nicht nur, wo der Schmerz entsteht, sondern wie er Bewegung verändert und warum bestimmte Beschwerden bleiben, obwohl die ursprüngliche Ursache vielleicht längst abgeklungen ist. Daraus entsteht ein Zusammenspiel unterschiedlicher Ansätze: Interventionen an der Schmerzquelle, Therapien zur Wiederherstellung von Funktion, diagnostische Belastungstests, Behandlung chronischer Schmerzen und manuelle Verfahren, die den Körper als vernetztes System verstehen.
Von Physiotherapie, Infiltrationen und Belastungstests
Wenn etwa Schmerzen klar lokalisierbar sind, aber Physiotherapie und Medikamente nicht helfen, kann dies vielleicht eine gezielte Infiltration tun. Die Wirkung ist oft rasch spürbar, gleichzeitig liefert die Reaktion des Körpers wichtige Hinweise auf die tatsächliche Schmerzquelle, weiß Dr. Maximilian Broger, der als Facharzt für Neurochirurgie im St. Josef Gesundheitszentrum Meran tätig ist.Sich bei Schmerzen zu schonen, sei in den meisten Fällen keine gute Lösung, sagt die Physiotherapeutin Martina Soracreppa. Physiotherapie habe einen doppelten Effekt: Sie helfe bei akuten Beschwerden sowie in der postoperativen Mobilisierung, aber auch als Prävention.
Denn Bewegung gilt grundsätzlich als eine der wirksamsten Formen der Prävention, aber nur im richtigen Maß. Überlastung kann ebenso schaden wie Untätigkeit. Sportmedizinische Untersuchungen setzen deshalb genau hier an, sagt Dr. Pierpaolo Bertoli, neuer Facharzt für Sportmedizin und Vize-Sanitätsdirektor im St. Josef Gesundheitszentrum Meran-Bozen.
Wenn Schmerzen chronisch werden
Wenn Schmerzen jedoch ihren Warncharakter verlieren und sich verselbstständigen, spricht man von chronischen Schmerzprozessen. Der Facharzt für Anästhesie und Schmerztherapie, Dr. Franz Ploner, beschreibt sie als Zusammenspiel aus körperlichen, psychischen und sozialen Faktoren. In solchen Fällen reicht kein einzelnes Verfahren mehr aus, gefragt ist dann ein multimodaler Behandlungsansatz.Und schließlich gibt es Zugänge, die den Körper noch stärker als Gesamtsystem betrachten. Die Chiropraktikerin Sofia Reposo weiß, welche Auswirkungen kleine funktionale Störungen in der oberen Halswirbelsäule auf Haltung, Gleichgewicht und Bewegungsqualität haben können.
So entsteht ein gemeinsames Bild: Unterschiedliche Wege, unterschiedliche Methoden, aber ein gemeinsamer Fokus: Nicht nur Schmerz zu behandeln, sondern Bewegung zurückzugeben.


