Die Grünen werfen der Regierungsmehrheit vor, das Wahlrecht parteipolitischen Interessen anzupassen. Co-Sprecherin Kathrin Werth sieht insbesondere das Überetsch, das Unterland und Bozen benachteiligt. Ihrer Ansicht nach schade die Reform nicht nur den betroffenen Gebieten, sondern auch dem Vertrauen der Bevölkerung in die Demokratie.
Co-Sprecher Zeno Oberkofler kritisiert zudem das Verhalten der SVP scharf: „Urzì schneidert sich einen Wahlkreis nach Maß, um sich einen Sessel zu sichern. Die SVP schaut zu beziehungsweise versucht, für sich selbst etwas herauszuholen – und scheitert kläglich dabei. Parteiobmann Steger und Abgeordnete Gebhard nehmen an der Abstimmung nicht mal teil. All das ist eine Schande.“
Auch der Südtiroler Schützenbund lehnt die beschlossene Neueinteilung des Senatswahlkreises Bozen/Unterland ab. In seiner Stellungnahme spricht er von weit mehr als einer technischen Änderung des Wahlrechts. Die Aufteilung des historisch und kulturell zusammengehörenden Unterlandes auf mehrere Wahlkreise berühre aus Sicht des Schützenbundes unmittelbar den Minderheitenschutz und damit einen Grundpfeiler der Südtirol-Autonomie.
Der Schützenbund warnt davor, Wahlkreisgrenzen aus parteipolitischen Gründen zu verändern, um einzelnen Parteien oder Kandidaten bessere Chancen zu verschaffen. Gleichzeitig betont er, dass eine stärkere Absicherung der deutschen und ladinischen Minderheit grundsätzlich begrüßt werde. Diese dürfe jedoch nicht zulasten bestehender Schutzmechanismen oder gewachsener Landesteile erfolgen.
Landeskommandant Christoph Schmid fordert die politischen Verantwortungsträger und insbesondere die SVP auf, die geplante Änderung im weiteren parlamentarischen Verfahren nicht mitzutragen.
„Wir erwarten eine klare und entschlossene Ablehnung jeder Wahlkreisänderung, die zulasten des Unterlandes und seiner gewachsenen Einheit geht. Eine zusätzliche Absicherung der Minderheitenvertretung darf nicht mit der politischen Zerstückelung eines Landesteils erkauft werden“, so Schmid.


