Donnerstag, 9. Juli 2026

Ukraine greift russische Ölindustrie an

Mehrere ukrainische Angriffe treffen die russische Ölindustrie. Nach einem Drohnenangriff stellt nun die russische Ölraffinerie Saratow zwei Insidern zufolge die Verarbeitung ein. Die einzige Rohöldestillationsanlage des Werks sei getroffen. Das ukrainische Militär bestätigte die Angriffe. Eine Stellungnahme des Eigentümers Rosneft liegt zunächst nicht vor. Das Werk verarbeitete im Jahr 2024 mit 5,8 Millionen Tonnen Öl 2,2 Prozent der gesamten russischen Verarbeitungsmenge.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. - Foto: © APA/afp / METIN AKTAS

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, man habe zwei russische Öllager, neben Twer auch ein weiteres in der Region Stawropol angegriffen. Beide Anlagen liegen rund 500 Kilometer von der Frontlinie entfernt. Damit reagiere das Militär darauf, dass Russland den Krieg in die Länge ziehe und seine Angriffe fortsetze, schrieb Selenskyj auf der Plattform X. Die Ukraine habe zudem in den vergangenen Tagen eine Öl-Pumpstation in der Stadt Ufa und ein Öl-Verladeterminal in der Region Rostow attackiert.

Die Ukraine griff eigenen Angaben zufolge in der Nacht auf Donnerstag zudem zwölf russische Tanker im Asowschen Meer an. Die Schiffe dienten der Versorgung des russischen Militärs mit Treibstoff und transportierten Öl unter Umgehung internationaler Sanktionen, wie der Generalstab der Streitkräfte auf Telegram mitteilte. Zudem seien ein Schlepper und ein Frachtschiff getroffen worden. Die Angriffe zielten darauf ab, die von Russland besetzte Halbinsel Krim zu isolieren.

Bereits in den vergangenen Tagen hatte die Ukraine nach eigenen Angaben mehrere Tanker der sogenannten russischen Schattenflotte in der Region attackiert, mit denen die Führung in Moskau versucht, westliche Sanktionen zu umgehen. Zudem geriet in der nordwestrussischen Region Twer nach Angaben der Behörden ein Öllager nach einem Drohnenangriff in Brand. Das Feuer sei unter Kontrolle, erklärte Regionalgouverneur Witali Koroljow. Insgesamt fing die russische Luftabwehr in der Nacht dem Verteidigungsministerium zufolge 73 ukrainische Drohnen ab.

Der Kreml wies unterdessen Aussagen von US-Präsident Donald Trump zurück, wonach ukrainische Angriffe auf Infrastruktureinrichtungen tief auf russischem Gebiet zu einem schnelleren Ende des Ukraine-Kriegs beitragen könnten. „Wir sehen einen gewissen Irrglauben innerhalb des Weißen Hauses“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Donnerstag vor Journalisten in Moskau. Vielmehr könne „eine weitere Eskalation die militärische Spezialoperation verlängern“, fügte Peskow hinzu.

Mit dem Begriff „militärische Spezialoperation“ wird von offiziellen Stellen in Russland die Militäroffensive in der Ukraine, also den Angriffskrieg an sich, umschrieben. Je mehr die ukrainische Armee „unsere Infrastruktur angreift, desto mehr werden wir die Sicherheitszone an der Front ausdehnen müssen“, sagte Peskow. Die Ukraine hat in den vergangenen Monaten ihre Drohnenangriffe auf Ziele in Russland weit hinter der Front intensiviert.

Der russische Inlandsgeheimdienst FSB hat nach eigenen Angaben mehrere von der Ukraine mit Drohnen geplante Anschläge in Moskau vereitelt. Die Anschlagspläne seien gegen ranghohe Offiziere der russischen Armee sowie ein führendes Rüstungsunternehmen gerichtet gewesen, teilte der Geheimdienst am Donnerstag mit. Das Vorhaben sei vom ukrainischen Geheimdienst geplant worden. Zudem habe es eine direkte Beteiligung westlicher Geheimdienste gegeben.

apa

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