Wenn das Thermometer klettert, geraten nach Beobachtung des lvh nicht nur die Temperaturen in Bewegung, sondern auch die Debatte darüber, ab welcher Temperatur noch gearbeitet werden dürfe, ob es strengere Vorschriften brauche und wer über Hitzegefahren entscheide.
Die Fragen seien laut dem Verband durchaus berechtigt, da die Sommer heißer würden und die Belastung für im Freien arbeitende Menschen zunehme. Auf den Baustellen sei dies längst keine theoretische Debatte mehr, sondern tägliche Realität. Gerade deshalb beschäftigten sich die Betriebe in Südtirol nach eigenen Angaben seit Jahren intensiv mit dem Thema Hitzeschutz.
Viele Unternehmen böten bereits praxisnahe Lösungen: Sie begännen an heißen Tagen früher mit der Arbeit, verlegten körperlich belastende Tätigkeiten in die Morgenstunden, schüfen zusätzliche Pausenmöglichkeiten und sorgten für ausreichend Trinkwasser sowie Schattenbereiche. Was vielerorts noch diskutiert werde, werde auf Südtirols Baustellen somit bereits gelebt, so der lvh.
Handwerk lässt sich nicht ins klimatisierte Büro verlegen
Die Herausforderungen beträfen dabei laut dem Verband nicht nur die Bauwirtschaft, sondern zahlreiche Handwerksberufe, die täglich im Freien oder unter anspruchsvollen Bedingungen arbeiten müssten – viele Tätigkeiten ließen sich schlicht nicht in klimatisierte Räume verlegen. Handwerk finde dort statt, wo Menschen bauen, reparieren, installieren, gestalten und Dienstleistungen erbringen.Wer über Arbeiten bei Hitze spreche, spreche gleichzeitig über jene Menschen, die Häuser bauen, Straßen instand halten, Dächer reparieren oder technische Anlagen installieren. Ihre Arbeit finde dort statt, wo gebaut, saniert und gearbeitet werde – und eben nicht in klimatisierten Büros. Die Diskussion über Hitzeschutz ist aus Sicht des lvh deshalb wichtig, weil sie auch die Bedeutung des Handwerks für das tägliche Leben sichtbar mache. Ohne diesen täglichen Einsatz würden viele Bereiche des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft laut dem Verband schlicht nicht funktionieren.
„Wer auf einer Baustelle arbeitet, ist den Witterungsbedingungen jeden Tag direkt ausgesetzt. Umso wichtiger ist es, dass Schutzmaßnahmen konsequent umgesetzt werden und die Sicherheit der Beschäftigten an erster Stelle steht“, sagt lvh-Baugruppenobmann Fritz Ploner. Die Betriebe seien sich dieser Verantwortung bewusst und würden entsprechende Maßnahmen mit großer Sorgfalt umsetzen.
Gegen starre Grenzen: Die Komplexität der Praxis
Gleichzeitig zeige die Diskussion nach Einschätzung des lvh, wie schwierig pauschale Lösungen in der Praxis sein können. Eine starre Temperaturgrenze möge auf den ersten Blick einfach erscheinen, die Realität auf Baustellen sei jedoch deutlich komplexer. Zwischen einer Asphaltierungsarbeit im Talboden, einer Dachsanierung im Stadtgebiet und einer Baustelle in höheren Lagen könnten erhebliche Temperaturunterschiede bestehen. Südtirol kenne viele Klimazonen – und entsprechend unterschiedlich seien die Bedingungen vor Ort. Die Realität des Handwerks lasse sich daher nicht allein an einer Zahl auf dem Thermometer festmachen, so die Argumentation des Verbandes.„Die Diskussion über Hitzeschutz ist grundsätzlich wertvoll. Sie macht sichtbar, welche Leistungen täglich von Handwerkerinnen und Handwerkern erbracht werden“, betont lvh-Direktor Walter Pöhl. Gleichzeitig brauche es Augenmaß: „Starre Regeln werden der Realität oft nicht gerecht. Im Winter wäre es vielfach zu kalt, im Sommer zu heiß. Die Praxis ist deutlich differenzierter. Deshalb braucht es Lösungen, die den tatsächlichen Bedingungen auf den Baustellen Rechnung tragen.“
Die Herausforderungen würden zweifellos größer, so Pöhl weiter. Umso wichtiger sei es, bestehende Schutzmaßnahmen laufend weiterzuentwickeln und an neue klimatische Bedingungen anzupassen. „Entscheidend ist nicht die Anzahl neuer Vorschriften, sondern dass die Maßnahmen vor Ort wirksam und praktikabel sind.“
Gelebte Sicherheitskultur statt reiner Verbote
Dass die Unternehmen ihre Verantwortung ernst nehmen, steht für den lvh außer Frage. Der Schutz der Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter habe für die Betriebe höchste Priorität. Gleichzeitig müssten die Maßnahmen jedoch praktikabel bleiben und sich an den konkreten Gegebenheiten orientieren. Denn Sicherheit entstehe nicht allein durch zusätzliche Vorschriften, sondern vor allem durch eine gelebte Sicherheitskultur, die von Betrieben und Beschäftigten gemeinsam getragen werde.Die eigentliche Herausforderung liegt aus Sicht des lvh daher weniger in neuen Verboten als in einem verantwortungsvollen Zusammenspiel von Betrieben, Beschäftigten und Behörden. Hitzeschutz brauche Verantwortung, Flexibilität und Hausverstand. Genau darauf setzten Südtirols Handwerksbetriebe laut eigenen Angaben seit Jahren – denn hinter jeder Straße, jedem Dach, jeder Installation und jedem fertiggestellten Bauwerk stünden Menschen, die auch an heißen Tagen dafür sorgten, dass das Land funktioniere.


