Mittwoch, 29. Juli 2026

Südtirols Industrie bleibt zuversichtlich – Aber Kosten und Konkurrenz steigen

Die Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes in Südtirol blicken weiterhin positiv auf das Jahr 2026. Neun von zehn Betrieben erwarten eine zumindest zufriedenstellende Rentabilität. Gleichzeitig trüben steigende Kosten, stärkerer Wettbewerb und eine schwächere Exportentwicklung die Stimmung.

Im ersten Halbjahr 2026 beschäftigte das Verarbeitende Gewerbe in Südtirol durchschnittlich mehr als 35.500 Personen. - Foto: © Shutterstock / shutterstock

Die Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes in Südtirol rechnen auch 2026 überwiegend mit einer stabilen Ertragslage. Das zeigt die aktuelle Konjunkturerhebung des Wirtschaftsforschungsinstituts der Handelskammer Bozen. Zwar bleiben die Erwartungen insgesamt positiv, gleichzeitig berichten die Betriebe aber von steigenden Kosten und einem zunehmend schwierigen Wettbewerbsumfeld.

Neun von zehn Unternehmen gehen davon aus, im laufenden Jahr zumindest eine zufriedenstellende Rentabilität zu erreichen. Der Anteil jener Betriebe, die sogar mit einer sehr guten Rentabilität rechnen, ist allerdings im Vergleich zur Frühjahrserhebung zurückgegangen: von 33 auf 28 Prozent.

Diese vorsichtigere Einschätzung spiegelt sich auch im WIFO-Geschäftsklimaindex wider. Dieser sank um 8,5 Punkte von 26,2 auf 17,7 Punkte. Grund dafür ist unter anderem das schwächer als erwartete Umsatzwachstum – vor allem auf den Märkten außerhalb Südtirols.

Exporte wachsen nur leicht

Die Ausfuhren wurden im ersten Quartal 2026 durch mehrere Faktoren belastet. Neben rückläufigen Verkäufen in die Vereinigten Staaten wirkte sich auch die schwache Nachfrage der wichtigsten Handelspartner Deutschland und Österreich aus. Die Exporte ohne landwirtschaftliche Produkte beliefen sich auf rund 1,6 Milliarden Euro. Das entspricht einem realen Wachstum von 0,4 Prozent gegenüber dem ersten Quartal des Vorjahres.

Zusätzlich sorgen die steigenden Kosten und der verschärfte Wettbewerb für Belastungen. Auch die Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Krise im Nahen Osten wirkt sich auf die Investitionsbereitschaft aus. Diese dürften heuer voraussichtlich stagnieren.

Positiv entwickelt sich hingegen der Arbeitsmarkt: Im ersten Halbjahr 2026 beschäftigte das Verarbeitende Gewerbe in Südtirol durchschnittlich mehr als 35.500 Personen. Das sind 1,2 Prozent mehr als im Vorjahr.

Unterschiede zwischen den Branchen

Die Entwicklung fällt je nach Branche unterschiedlich aus. Besonders positiv ist das Geschäftsklima in der Metallverarbeitung sowie im Maschinen-, Geräte- und Fahrzeugbau. Fast alle Unternehmen dieser Bereiche erwarten ein zufriedenstellendes Betriebsergebnis, rund 40 Prozent rechnen sogar mit einer sehr guten Rentabilität.

Auch in der Lebensmittelbranche und bei der Herstellung von Baustoffen sind die Erwartungen überwiegend positiv. Vorsichtiger zeigen sich hingegen Unternehmen aus der Holzverarbeitung sowie der Textil- und Bekleidungsbranche. Dort geben rund 15 Prozent der Betriebe an, mit einer schlechten Rentabilität zu rechnen.

Ebner fordert Schutz für europäische Industrie

Der Präsident der Handelskammer Bozen, Michl Ebner, begrüßt die neue Schutzregelung der Europäischen Union für die europäische Stahlindustrie. Die seit Anfang Juli geltenden Beschränkungen für Stahlimporte seien aus seiner Sicht notwendig, um die europäische Produktion vor den Folgen des Handelskonflikts zwischen China und den Vereinigten Staaten sowie vor Konkurrenz aus Ländern mit niedrigeren Arbeitskosten zu schützen.

„Es ist wichtig, dass die europäischen Länder geschlossen handeln, um Know-how und Wettbewerbsfähigkeit ihrer Unternehmen zu verteidigen und Arbeitsplätze zu sichern“, erklärt Ebner.

sor

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