Die AfD bekommt damit im neuen Landtag 32 Sitze, die SPD erhält 29 Mandate. Jeweils fünf Sitze gehen an die Linke und die Grünen. Die bisherige Koalition aus SPD und Linkspartei hat damit keine Mehrheit mehr, ein Dreierbündnis mit den Grünen hingegen schon. Koalitionen mit der AfD schließen die drei Parteien aus. Der Kandidat der AfD für das Amt des Ministerpräsidenten, Leif-Erik Holm, leitete aus dem Ergebnis einen Regierungsauftrag für seine Partei ab. Er werde mit den anderen Parteien über die Möglichkeit einer Zusammenarbeit sprechen.
CDU-Vorsitzende Merz hatte am Sonntagabend kurz vor Wahlschluss bekräftigt, weitermachen zu wollen. „Was jetzt zu tun ist, erfordert Rückgrat, Standhaftigkeit und Geduld. Ich werde das aufbringen“, sagte er. Er räumte ein „Desaster“ für die CDU in Mecklenburg-Vorpommern ein, zeigte sich aber kämpferisch. „Die Reformen müssen kommen“, sagte er. Reformen seien das richtige Mittel gegen „das autoritäre Gift, das mit der Faszination des Autoritären immer tiefer in unsere Gesellschaft eindringt“. Von der SPD kam umgehend Widerspruch. „Man kann eben nicht mit dem Kopf durch die Wand und einfach so weitermachen wie bisher“, sagte SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf etwa mit Blick auf die geplante Pensionsreform. „Sehr irritiert“ zeigte sich auch die SPD-Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig. „Ich glaube, das ist mehr Demut vom Kanzler eigentlich angebracht“, sagte sie am Wahlabend.
Scharfe Kritik kam von den politischen Rändern. AfD-Co-Chefin Alice Weidel forderte den Kanzler am Sonntagabend im ZDF zum Rücktritt auf. Die AfD habe mit den Wahlen in Ostdeutschland bewiesen, dass sie und nicht mehr die CDU Volkspartei sei. Die CDU müsse „langfristig“ zu Koalitionsgesprächen bereit sein. Die Linken-Fraktionsvorsitzende Heidi Reichinnek sagte der „Rheinischen Post“: „Merz zeigt mit diesem Auftritt nicht nur, dass er absolut realitätsfremd ist, sondern auch vollkommen beratungsresistent.“ Er wolle seinen Kurs einfach fortsetzen. Merz gehe es um sein Amt, nicht um die Menschen.
Linke klare Siegerin in Berlin
Auch in Berlin wurde gewählt. Dort ging die Linke mit 25,7 Prozent der Stimmen als klare Siegerin hervor. Die CDU, die bisher mit Kai Wegner den Bürgermeister stellt, erreichte laut Landeswahlleitung nach Auszählung aller Stimmen mit ihrem Spitzenkandidaten Stefan Evers 18,8 Prozent und damit Platz zwei. Dahinter folgen die AfD (16,3 Prozent), die Grünen (14,3 Prozent) und die SPD (12,1 Prozent). Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW, 4,7 Prozent) verpasste den Einzug in das Abgeordnetenhaus am Sonntag ebenso wie die FDP (2,5 Prozent), die schon 2023 an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert war.Die regierende CDU/SPD-Koalition hat damit ihre Mehrheit verloren. Die Grünen sprachen sich bereits für eine rot-grün-rote Koalition aus. Sollte das Linksbündnis zustande kommen, bekäme die deutsche Hauptstadt mit Elif Eralp erstmals eine türkischstämmige Bürgermeisterin. Eralp stellte bei der Wahlparty der Linken den Regierungsanspruch. „Ich will Regierende Bürgermeisterin für Berlin werden, damit die Menschen in unserer Stadt wieder ein besseres Leben haben. Vor allem die Menschen, die jeden Tag hier unsere Stadt mit am Laufen halten.“


